Eigene Kurzgeschichten - Tiergeschichten

    • Eigene Kurzgeschichten - Tiergeschichten

      Ich hab hier mal dieses Buch empfohlen:



      Ich empfehle es immernoch wärmstens! Selten so ein tolles Kinderbuch gelesen.
      Jedenfalls hab ich selbst ein paar Kurzgeschichten in der Art dieses Buches geschrieben.

      Der Himmelsfalter

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      Ein Meer aus Grün. Grün so weit das Auge reicht. Der Regenwald ist so grün, dass andere Farben gar nicht mehr echt aussehen.
      Umso komischer ist es dann, wenn manchmal ein blaues Leuchten durch das Grün blitzt. Ein Blau, das noch blauer ist, als der Regenwald grün. Das ist der Himmelsfalter oder Blaue Morphofalter, der im schnellen Zickzack durch das Blätterwerk tanzt. Das Blau seiner Flügel findest du in keinem Drucker, auf keiner Reklame und in keinem Malkasten. Es ist nämlich eigentlich gar keine Farbe. Der Himmelsfalter hat unzählige, winzige Zacken auf seinen Flügeln. Die Zacken können Farben verschlucken oder kräftiger machen. Darum leuchten die Flügel des Himmelsfalters im blausten Blau der Welt.
      Der Himmelsfalter nascht am liebsten faulige Bananen. Wenn er sich niederlässt um den Saft von den Früchten zu schlürfen können Vögel ihn einfach schnappen und auffressen. Aber sein Blau beschützt ihn. Die Unterseite seiner Flügel ist braun. Wenn er die Flügel auf- und zufaltet leuchtet er und verschwindet dann plötzlich wieder. Das verwirrt die Vögel gehörig.
      Meistens frisst der Himmelsfalter sich aber selbst. Seine Raupen sind Kannibalen. Eine Himmelsfalterraupe muss wie jede Raupe viel fressen. Und manchmal frisst sie ihre Geschwister. Fast vier Monate dauert es bis aus dem kleinen Raupenei ein blauer Himmelsfalter geworden ist. Und der muss dann für jeden Bruder und für jede Schwester, die er als Raupe verspeist hat, mitleuchten.


      Der Schlammspringer
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      Der Schlammspringer ist ein Fisch, der vergessen hat, wie es ist ein Fisch zu sein. Irgendwann einmal sagte eine Fischmama zu ihrem Fischkind: “Du kannst alles sein, was du willst!“ Der Schlammspringer wollte am liebsten ein Frosch sein. Zu einem richtigen Frosch gehören erst einmal Glupschaugen. Also bekam er diese auch. Danach wuchsen ihm auch noch starke Flossen und Kiemen mit Deckel. Damit hopste er an die frische Luft.
      Der Schlammspringer sieht wirklich aus wie ein Frosch. Braungrün, schleimig und glupschäugig hüpft er durch den Schlamm der Mangroven. Die Mangroven sind salzige Bäume, die am Meer wachsen. Die gefielen dem Schlammspringer.
      Dem Ozean aber gefällt das gar nicht, wie der Schlammspringer einfach ausbüxt. Mit seinen Gezeiten will er den Schlammspringer zurück ins Meer spülen. Aber nicht mit unserem Schlammspringer! Der wollte nämlich auch schon immer ein kletternder Gecko sein! Und so wuchs aus seinen Bauchflossen ein Bauchflossensaugnapf. Wenn das Wasser kommt springt er damit die Mangrovenbäume hoch.
      Zum Fressen findet der Schlammspringer Insekten und winzige Krebse. Damit ihn aber keiner zum Fressen findet, wird der Schlammspringer zum Maulwurf. Mit seinem breiten Maul kann er nämlich auch graben. Da sitzt der Schlammspringer dann versteckt in seinen Gängen. Er ist aus dem Wasser an Land und dann unter die Erde gewandert. Und damit es ihm da unten nicht langweilig wird legt er dort seine Eier. Er legt sie aber gar nicht, sondern klebt sie an die Decke.
      Es ist nicht leicht ein Froschgeckomaulwurf zu sein, aber es ist schön, wenn man sein kann was man will.


      Der Dornenteufel
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      Erinnerst du dich noch an die mörderische Ameisenstraße? Es gibt Tiere für die sind solche Ameisenstraßen wahre Leckerbissenfließbänder. In Australien lebt ein solches Tier. Es ist ganz zackig und stachelig. Ein kleines Echsenmonster voller Dornen. Der Dornteufel.
      So teuflisch ist der Dornteufel aber gar nicht. Eigentlich ist er ziemlich faul. Seine Kost ist eintönig. Er isst nichts anderes als schwarze Ameisen. Dabei stellt er sich neben eine Ameisenstraße. Zu Tausenden marschieren die Ameisen am Dornteufel vorbei und dieser schnappt sich Hunderte von ihnen mit seiner Zunge. Das kann er schneller als jedes andere Tier. Und womit spült der Dornteufel die ganzen Ameisen herunter? Mit Wasser aus einer Pfütze vielleicht? Weit gefehlt! Der Dornteufel sammelt Tau und Luftfeuchtigkeit mit seiner Haut. Die dornige Haut wiederrum ist mit winzigen Kanälen überzogen, die das gesammelte Wasser direkt in seinen Mund laufen lassen.
      Das Leben als Dornteufel ist ganz schön gemütlich. Wenn eine Ameisenstraße vor seiner Haustür vorbeizieht, kann er sogar im Bett liegen bleiben. Aufstehen muss er dann nur, damit er ein paar Sonnenstrahlen abbekommt und natürlich wenn er mal muss. Der Dornteufel macht nämlich nicht einfach in die Wüste, sondern er hat ein Klo.
      Wenn die Menschen früher gewusst hätten, was für eine brave Echse der Dornteufel ist, hätten sie ihm wohl nicht so gefährliche Namen gegeben. Ein anderer Name für ihn ist Moloch, ein alles verschlingendes Ungeheuer. Dabei ist er gerade mal so groß wie eine Hand und seine Dornen schützen ihn nicht mal vor Vögeln.
      The verdict is not the end
      It is only the beginning
      Strong will shall keep spreading
    • Sehe es schon kommen. Wenn ich irgendwann mal Kinder haben sollte, lese ich Ihnen deine Geschichten vor. Kannst mal ein Buch veröffentlichen 8)
      ( •_•)

      ( •_•)>⌐■-■

      (⌐■_■) Deal with it!
    • Hab mal noch mehr wieder ausgegraben. Zwei sind mir anscheinend abhanden gekommen.


      Der große Panda


      Pummelig tapst er in schwarz-weiß durch die hohen Halme der chinesischen Bambuswälder. Dann setzt sich der große Panda in ein Nest aus Blättern. Seine Tatzen sind fast wie Hände. Er hat zwar keine Daumen, aber seine verlängerten Pfotenballen sind fast genauso gut. Damit greift er ringsum nach frischem, knackigem Bambus und mampft ihn genüsslich. Der Panda ist da, wo der Bambus ist. Er mag ihn nicht einfach nur am liebsten, er kann ohne ihn nicht leben.

      Aber Moment! Es heißt doch PandaBÄR! Und Bären essen Fleisch! Bären stehen im Fluss und fangen zappelnde Lachse. Bären fressen Schneehasen mit Haut und Haar. Bären sind große und gefährliche Räuber! Aber der Panda ist das schwarz-weiße Schaf der Bärenfamilie. Er hat den Magen und die Zähne eines Fleischfressers und isst trotzdem nur Bambus! Er ist ein vegetarischer Fleischfresser. Den Bambus kann er gar nicht selbst verdauen, das müssen Bakterien in seinem Bauch für ihn machen. Ein Babypanda muss die Kacke seiner Mutter essen, bevor er Bambus essen kann. Aber er muss kein Fleisch essen um ein Raubtier zu sein.

      Man nennt den großen Panda auch große Bärenkatze, weil er so lieb schaut und so kuschelig aussieht. Aber der große Panda ist trotzdem ein wildes Tier. Ein wildes Tier, das es nicht mag, wenn man es ärgert oder an seinen Jungen herumschnüffelt. Dann beißt der Panda auch und zwar nicht in Bambus.


      Die Schnabelraupe


      In den Gebirgswäldern Asiens verbirgt sich ein Tier, das glaubst du gar nicht. Schnabelraupe heißt es. Jetzt denkst du vielleicht: Eine Raupe mit Schnabel? Das gibt es doch gar nicht!

      Doch, das gibt es. Schnabelraupen sind Insekten. Insekten mit einem Schnabel. Und weil das nicht schon seltsam genug ist haben sie auch noch sieben Beine statt nur sechs. Schnabelraupen essen die Blätter der Bäume. Mit ihren Schnäbeln schneiden sie kreisrunde Löcher raus. So ein Schnabelraupenwald sieht lustig aus. Die Blätter haben fast alle Löcher. Und an einigen hängen die Männchen. Lauter kleine violette Finger die sich mit ihren Schnäbeln in die Blätter verbeißen und dann im Wind hängen. Damit hat es eine weitere Besonderheit auf sich. Wenn sich Schnabelraupen paaren wollen ist das nämlich ganz schön verrückt.

      Die Männchen hängen sich wie gehabt in den Wind. Mit ihrem siebten Bein, was unter ihrem Kinn wächst, halten sie sich gut fest, damit der Gebirgswind sie nicht davonbläst. Die Weibchen dagegen machen genau das Gegenteil. Sie lassen sich von den Lüften zu ihren Partnern tragen. Mit ihren Facettenaugen sind sie ganz wild auf das Violett der Männchen. Durch Zappeln und Wackeln steuern die Damen geradewegs auf die Herren zu. Wenn sich dann zwei gefunden haben klammern sie sich mit ihren Beinchen ganz fest aneinander.

      Der Schnabelraupenmann lässt seine Frau dann nicht mehr los, bis die Eier gelegt sind. Na klar, schließlich fällt eine Traumfrau nicht alle Tage vom Himmel.


      Geogemma Barossii

      Bestimmt hast du schon einmal von Bakterien und Pantoffeltierchen gehört. Solche Mikroorganismen sind Lebewesen, die so klein sind, dass man sie nur mit einem Mikroskop sehen kann. Deswegen auch der Name: mikros heißt klein.

      Einen Mikroorganismus kannst du nicht spüren, nicht sehen oder schmecken. Die meisten sind friedlich, manche helfen dir sogar in deinem Bauch. Einige aber machen krank. Wenn man sie tot machen will kann man sie nicht einfach mit einer Fliegenklatsche zerhauen oder im Klo runterspülen. Das macht den Mikroorganismen rein gar nichts aus. Die meisten freuen sich darüber wahrscheinlich auch noch. Was ihnen aber nicht so gut bekommt ist zum Beispiel Hitze. Wenn ein Doktor sein Operationsbesteck sauber machen will, muss er es bei 121°C kochen. Das macht den Mikroben den Gar aus.

      Die meisten Mikroorganismen hören schon bei über 40°C auf zu wachsen. 121°C das überlebt keiner! Darüber kann Geogemma barossii nur lachen. Man nennt ihn auch „Strain 121“, weil ihm 121°C nichts anhaben können. Er lebt im Wasser von Tiefseegeysiren, die entstehen wenn der Meeresboden aufreißt und kochende Lava herausquillt. Dort wächst und gedeiht Geogemma barossii prächtig. Erst bei 130°C hört er auf zu wachsen. Tot ist er da aber noch lange nicht. Sobald es wieder ein klein wenig kälter wird bewegt er sich mit seinem einzelnen Ruderbüschel fort und vermehrt sich durch Zellteilung. Jetzt fragst du dich sicher, was so ein ultrahocherhitzter Einzeller isst – viel kann es da ja nicht geben. Wieder falsch. Geogemma barossii isst Rost! Eisenoxid. Und wenn er fertig ist mit Essen bleibt Magnetit übrig. Deswegen findet man dort, wo er lebt ungewöhnlich viel Magnetit

      Sowas verrücktes denkst du vielleicht jetzt. Aber für die Familie von Geogemma barossii, den Archaen, ist das gar nicht mal so verrückt. Archaen leben an den ungewöhnlichsten Orten, widerstehen den härtesten Bedingungen und essen alles mögliche, was gar nicht essbar scheint. Sie mampfen Metalle, Wasserstoff, Ammoniak und Schwefel. Sie leben in Geysiren, Salzseen, Biogasanlagen und im eiskalten Meer. Wenn dir das nächste Mal im Winter zu kalt, im Sommer zu heiß, die Suppe zu salzig oder Luft zu stickig ist, denkst du vielleicht an Geogemma barossii und seine Brüder und Schwestern, die liebend gerne mit dir tauschen würden.




      The verdict is not the end
      It is only the beginning
      Strong will shall keep spreading
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