US Midterm Elections 2018 - Bernie wählen... und sterben?

      Beitrag von kommt drauf an ()

      Dieser Beitrag wurde von THC-Veraechter aus folgendem Grund gelöscht: Spam ().
    • Coruscant schrieb:

      Hallo Alex,

      ich finde es immer gut wenn du deine, hier im Forum nicht sehr populäre, Sicht darlegst. Nur kann ich beim besten Willen deine Gläubigkeit in den Freien Markt nicht nachvollziehen.
      Der Markt besteht nun mal aus Menschen. Und gerade Menschen sind eben nicht die aufgeklärten, selbst recherchierenden Marktteilnehmer (bis auf wenige Ausnahmen). Aber gerade diese Leute sind nötig, damit dein Modell vom Freien Markt zumindest in diesem Zusammenhang funktioniert.

      Ich empfehle dir mal England um 1850 anzusehen. Da war hatte sich der Staat - wie von dir gewollt - aus der Wirtschaft rausgehalten. Kohlestaub wurde rausgeblasen ohne Ende. Arbeitsbedingungen extrem scheiße (12h Arbeitstage, Kinderarbeit usw.). Es gab Städte da war wegen diesen beiden Faktoren die Lebenserwartung bei unter 18 Jahren.
      Ich kan mir beim besten Willen nicht vorstellen das du so einen "Markt" willst.

      Natürlich wirst du jetzt sagen, man haben aus der Geschichte gelernt. Von daher würden solche Entgleisungen nicht noch mal passieren. Nur was würde denn geschehen wenn der Staat hier seine regulierenden Einflüsse runterschraubt?
      Natürlich würde kein Unternehmen sofort zum Umweltschädling werden und alle Filter bei Essen rausnehmen. Schließlich hat man ja beim Konsumenten ein (grünes) Image aufgebaut.
      Nach einiger Zeit (5 Jahre+) werden aber alle Betriebe in kleinen Schritten diesen Pfad verlassen. Um mal bei dem Essenfilter zu bleiben: wenn der Zeitpunkt da ist, wo er getauscht werden muss: wird er halt einfach für immer ausgebaut -ohne Ersatz.

      Der Betrieb spart Kosten. Dem Kunden lässt man darüber im dunkeln - das Ökoimage hat man also weiterhin. Und legal war die ganze Sache auch noch. Natürlich geht die Natur langsam vor die Hunde, aber was kümmert das den einzelnen Betrieb?
      Und das gute aus deiner markttheoretischen Sicht: er kann durch die Kostensenkung seine Produke billger machen und wird den Markt dominieren.
      Die Natur hat halt im freien Markt keine Lobby. Ein paar Umweltverbände - bitch pls. Ohne staatl. Eingreifen passiert da nichts.

      Funfact: ich habe ziehmlich viele fertig ausgebildete BWL- und VWLer im Bekantenkreis: und alle meinen ein Freier Markt ist das schlimmste was passieren könnte - hauptsächlich wegen der Menschen an sich.
      Es ist halt eine Utopie wie der Kommunismus einer ist.

      mfg
      coruscant

      Will, wenn auch verspätet, zumindest noch kurz auf diesen Post eingehen.
      Es muss auch nicht jeder Marktteilnehmer ständig die bestinformierteste Entscheidung treffen. Menschen sind alles in allem sehr lernfähig und es ist dank Bücher und Internet auch ohne weiteres inzwischen Möglich dieses Wissen über Generation hinweg weiter zu geben.
      Dank verifizierter Amazon Kundenbewertungen hab ich jetzt für jedes 10 Euro Buch bereits Rückmeldungen, ob der Inhalt lesenswert ist, oder ob das 15 Euro T-shirt schnell verwaschen aussieht.
      Nicht immer trifft man dabei die "beste" Entscheidung, dennoch glaube ich das ein System, was darauf basiert, dass Menschen grundsätzlich Entscheidungen zu ihrem eigenen Wohl treffen wollen, nicht allzu verkehrt ist.
      Ich glaube nicht, dass der freie Markt bzw. "free market capitalism" alle Probleme dieser Welt perfekt lösen kann. Aber das es zweifelsohne dieses System ist, was bisher mit den Herausforderungen der Menschheit am besten umgehen kann. Es gibt zahlreiche Beispiele von Ländern, denen durch eine größere Menge an wirtschaftlicher Freiheit der Sprung zum Wohlstand geglückt ist (Neuseeland, Chile, Singapur, Indien Hongkong, West/Zentraleuropa, China, USA), während sämtliche sozialistischen Projekte, die den freien Markt zerstört haben ausnahmelos gescheitert sind, oder gerade weiter scheitern (z.B. wenn man gerade die Nachrichten aus Venezuela checkt).

      Ich kenne mich auch mit Manchesterkapitalismus ein bisschen aus, worauf du dich ja zu beziehen scheinst. Zunächst würde ich mal von wikipedia quoten wollen.
      "Die Lebensverhältnisse der Arbeiter waren nicht konstant schlecht. Im Durchschnitt stieg der Wohlstand zwischen 1750 und 1914 an, beispielsweise hatte die Sterblichkeit in England 1740 einen Wert von 38,4 pro Tausend, bis zum Jahr 1800 sank sie auf 27,1 pro Tausend, während das Durchschnittseinkommen wuchs."

      Ich wollte und will möglichst gute Lebensbedingungen für die größtmögliche Anzahl an Menschen. Vieles was an dieser Form des Kapitalismus kritisiert wird, verkennt leider häufig die Umstände der agrarischen Mangelgesellschaft, welche zuvor vorherrschend war. Dort gab es ebenso Kinderarbeit (selbst meine Mutter musste vor 50 Jahren nach der Schule noch jeden Nachmittag auf dem Hof mitarbeiten). Dort gab es auch 12h+ Arbeitstage und die Lebenserwartung war noch niedriger. Wie bereits weiter oben beschrieben verkenne ich auch nicht die Tatsache, dass es bei diesem Übergang auch Verlierer gab. Wenn das Auto die Postkutsche ablöst, ist das zwar für viele Menschen sehr gut, aber für den Kutscher eher nicht.

      Im übrigen hat die Natur durchaus eine sehr große Lobby, besonders gerade in jenen Staaten, die einen verhältnismäßig hohes Wohlstandslevel haben (was wiederum den Punkt bestärkt, wonach Wohlstand existenziell für Umweltbewusstsein in einer Gesellschaft ist). Bereits in den 60ern und 70ern gab es doch breit angelegte Demonstrationen für Umweltthemen, was natürlich in einer freien demokratischen Gesellschaft zu einer Aufnahme dieser Themen in die Politik führt. So entstanden ja erst die "Grünen".

      Der Staat hat natürlich trotzdem die Aufgabe Unternehmen, welche bewusst durch Werbung oder fehlerhafte Verpackungsinformationen ihre Kunden täuschen juristisch zu belangen.

      Die Umweltlobby ist in Deutschland auch ohne staatliche Regulierung ziemlich stark. Wie sonst kannst du dir dann die immer weitere Verbreitung von Bio-Läden/Supermärkten erklären? Jeder Supermarkt hat inzwischen neben den "normalen" Eiern auch Bio-Eier, welche teilweise das doppelte Kosten, aber ja offenbar trotzdem in hoher Zahl gekauft werden. Die Aufgabe des Staates sollte mMn hierbei lediglich sein, die Unternehmen zur Transparenz zu verpflichten, aka die Daten müssen einsehbar und korrekt sein. Wobei selbst für das Transparenz Ding freier Markt möglich ist (siehe z.B. bestimmte "Bio-Siegel")

      Für mich ist freier Markt keine "Utopie", sondern das bisher beste bekannte System zur Verbesserung der Lebensbedingungen und _zusätzlich_ dazu noch das größtmögliche Maß an wirtschaftlicher, politischer und persönlicher Freiheit anbietet. Es löst nicht alle Probleme dieser Welt, weil Problemlösungen immer trade offs statt "Lösungen" sind.
      Noch noch ein nices video. Besonders die letzten 60 sekunden sehr empfehlenswert.




      edit: Gerade noch etwas gefunden, was auf die generelle Kritik an laissez faire capitalism eingeht.

      "
      Question: From reading about the Industrial Revolution and past attempts at laissez-faire capitalism, it seems that the latter led to extremely poor working conditions and an environment where the workers have essentially no rights in terms of the workplace. From the Objectivist standpoint, how does laissez-faire capitalism protect workers' rights? How does it combat against the exploitation of the workers? And how does it combat the poor working environments of the Industrial Revolution, as seen in the factories of the time?

      Answer: Workers' pay in the laissez-faire era of the19th century rose steadily with the innovations that increased productivity and lowered prices. One has to realize that at the beginning of the industrial revolution, poor people chose to work under very difficult conditions, because that compared favorably to the alternatives available. We see this in the third world today, where the fortunate poor are "exploited" by capitalists, and the unfortunate poor scrounge for survival in shanty towns and on every-smaller plots of land in the countryside. The really fortunate live in well-run countries where "exploitation" takes hold long enough for development to take hold. Look at the history of Hong Kong for a 20th-century example of laissez -faire (or something very like it) at work. What happened to unemployment and workers' pay in Hong Kong between 1950 and 1990? The radical improvement was the effect of laissez-faire, as was the radical improvement in America over the 19th century."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Alex- ()

    • Benutzer online 1

      1 Besucher