Der "war ein interessanter Artikel" Thread

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    • Hmm also ich hab schon den eindruck, dass dieser spezielle prof eine kämpferische natur hat.

      Was ich echt scheisse finde ist, dass genausosehr seine Frau angegangen wurde. Die musste ja anscheinend ebenso als dekanin zurücktreten. Die hat, zumindestens so wies im Artikel beschrieben wurde, damit doch gar nichts zu tun.
    • Der Prof hat auch nix damit zu tun. Es gibt keinerlei Rechtfertigung auch ihn anzugehen. Es gibt meiner Meinung nach keinen moralischen Unterschied zwischen der Frau vom Prof und ihm selbst. Beiden würde Untecht angetan.
    • Ich habe sogar nur den Artikel gelesen und weiß ansonsten gar nichts über das Thema. Und da steht "Vor zwei Wochen wurde der amerikanische Starjurist und Harvardprofessor Ronald Sullivan als Dekan seiner Fakultät abgesetzt – pardon: nicht wiedergewählt." Was das jetzt genau bedeutet weiß ich nicht, ich bin davon ausgegangen das was nach dem pardon steht wäre die Faktenlage und das was davor steht die Interpretation des Autors.

      Ich kann meine Frage aber auch gerne umformulieren: Hat er ein Recht darauf als Dekan angestellt zu sein?
    • "Die Reaktionen kamen prompt: #MeToo-Aktivisten forderten, dass Sullivan als Studenten-Dekan abgesetzt wird."


      steht aber auch da, was kein Sinn macht wenn er einfach nicht wiedergewählt wurde.

      edit:

      "Aber nach ein paar agitatorischen Artikeln in der Studentenzeitschrift «The Harvard Crimson» und zwei «Down with Sullivan!»-Graffiti auf dem Campus waren die Befürchtungen der Studenten für die Universität Grund genug, den Dekan abzusetzen."
    • Natürlich ist das auf Druck der Offentlichkeit hin passiert, etwas gegenteiliges wollte ich ja auch gar behaupten. Ich wollte nur wissen wo Südländer hier das konkrete Unrecht sieht. Man kann das natürlich selber kritisch sehen (tue ich auch), aber das jetzt als Zeichen für den Untergang des Rechtsstaates zu sehen finde ich dann doch ein wenig überzogen.
    • Hier ist btw die offizielle Mail auf die sich der Artikel bezieht:
      int.nyt.com/data/documenthelpe…optimized/full.pdf#page=1

      Ist eigentlich nicht so lange kann man also schon lesen, trotzdem das wichtigste (imo) mal rauskopiert:

      "The concerns expressed have been serious and numerous. The actions that have been taken to improve the climate have been ineffective, and the noticeable lack of faculty dean presence during critical moments has further deteriorated the climate in the House. I have concluded that the situation in the House is untenable."

      Da kann man jetzt viel hineininterpretieren, oder eben nicht.
      Gab Unzufriedenheit mit dem Dekan, versuche es zu beschwichtigen waren nicht erfolgreich, Dekan war in "kritischen Momenten" nicht anwesend.

      Habe mir mal den NYT Artikel gegönnt, nzz hat sich schon heftig reißerisch gelesen.
      "in January, many students expressed dismay, saying that his decision to represent a person accused of abusing women disqualified Mr. Sullivan from serving in a role of support and mentorship to students"

      Mentorship und Support sind halt einfach subjektive Dinge und da hat fachliche Kompetenz einfach nichts mit zu tun.
      Der Aufruhr der Studenten mag ungerecht gewesen sein, finde ich auch. Es ist seine Aufgabe als Anwalt und literal sein Job Tatverdächtige zu verteidigen.
      Vertrauen hat aber nichts mit "richtig" oder "falsch" zu tun, entweder Vertrauen izda, oder eben nicht.
      Deswegen ist imo die Entscheidung den Dekan gehen zu lassen die richtige, weil er faktisch seinen Job so nicht ausüben kann, wenn die Studenten ihm kein Vertrauen mehr schenken.
      Eine richtige Antwort ist nicht immer eine gute Antwort.
    • Natürlich muss man die Verteidiger und ihre Mandanten moralisch trennen, da jedem/-r Rechtsverteidigung zusteht. Sullivan ist jedoch kein gewöhnlicher Strafanwalt, er ist Professor in Harvard und jemand wie er kann seine Fälle komplett frei wählen. Und ich denke, da fangen wir dann schon an moralisch zu beurteilen. Ich halte bspw die Arbeit eines Anwalts, der sich dazu entscheidet, Großunternehmen dabei zu vertreten, sich ihrer Verantwortung zu entziehen, moralisch deutlich schlechter gestellt als die Arbeit eines Anwalts, der sich für Menschenrechte einsetzt.

      Bisher hat Sullivan für die Rechte von Leuten gekämpft, die dringend Hilfe bei ihrer Verteidigung benötigt hatten, unschuldige Gefängnisinsassen z.B.
      Harvey Weinstein braucht keine Hilfe. Von allen möglichen Fällen in den USA sucht sich Sullivan ausgerechnet Harvey Weinstein aus? Weinstein, der literal jeden Top Anwalt des Landes engagieren kann und genau dies auch tut, wodurch er sich einen gewaltigen Vorteil beim Gerichtsprozess verschafft. Denn ich glaube nicht, dass sich die betroffenen Frauen ebenso solche Gigantenanwälte leisten können. Dadurch entsteht ein massives Ungleichgewicht. Und das zu Gunsten des Angeklagten. Zu Gunsten eines mutmaßlichen Vergewaltigers.
      Es ist leider so, dass unser Rechtssystem dann unfair wird, wenn einer der beiden Akteure (Kläger oder Angeklagter) finanziell deutlich besser gestellt ist.
      Sich also als Dekan einer Fakultät dafür zu entscheiden, dieses problematische Ungleichgewicht zu fördern und dafür noch schön ein Millionengehalt zu kassieren, das finde ich moralisch ganz schön fragwürdig. Zumal er die Anlaufstelle für StudentInnen ist, die auf dem Campus Opfer von sexueller Gewalt werden.

      Was nämlich auch noch zusätzlich belastend ist: Weinstein's Anwalt verließ im Januar sein Team, aufgrund von Meinungsdifferenzen. Weinstein hatte sich seit Dezember dazu entschieden, von nun an eine aggressive Taktik gegen die Frauen zu wählen, sie im Verfahren demütigen zu wollen. latimes.com/local/lanow/la-me-…tways-20190117-story.html
      Außerdem hat er ex-Mossad Agenten und sonstige israelische Geheimdienstagenten (!) engagiert, um an Informationen der Frauen zu gelangen. Zusätzlich hat er Journalisten und deren Berichterstattung beeinflusst. newyorker.com/news/news-desk/harvey-weinsteins-army-of-spies
      Als Weinstein nun im Januar nach einem neuen Anwalt für seine Strategie suchte, entschied sich Sullivan dem Team beizutreten.

      Meint ihr wirklich, so eine Ungerechtigkeit sollte man unterstützen? Das ist reine Profitgier Sullivans, die dahinter steckt und das auch noch auf Kosten einer fairen Aufarbeitung von Sexualdelikten.
      Stattdessen hätte Sullivan sich mal dafür einsetzen können, dass Weinstein einen öffentlichen Verteidiger zugewiesen bekommt, damit gleiches Recht für alle gilt und nicht besseres Recht für die Wohlhabenden. Oder er hätte seine Fähigkeiten für die benachteiligte Seite nutzen können. Die der mutmaßlichen Opfer Weinsteins.
      die calmer than a suicide bomber
    • Denk doch mal dein Gedankenspiel tuende. Wenn jeder Anwalt aus „moralischen“ Gründen einem potenziellen Klienten absagt, dann gäbe es keine Verteidigung mehr für Mörder oder Kinderficker.

      Jeder hat das Recht auf einen Anwalt.
    • Lies mal richtig, was ich geschrieben habe. Ja, jeder hat ein Recht auf einen Anwalt. Harvey Weinstein hat aber aufgrund seines Reichtums “Recht“ auf die Topanwälte. Dadurch entsteht beim Gerichtsprozess ein Machtgefälle zu seinen Gunsten. Und genau das sollte jemand wie Sullivan nicht unterstützen.
      Aus meiner Sicht darf Weinstein gerne einen öffentlichen Anwalt gestellt bekommen.
      die calmer than a suicide bomber
    • Kola_mit_Ice wrote:

      Bisher hat Sullivan für die Rechte von Leuten gekämpft, die dringend Hilfe bei ihrer Verteidigung benötigt hatten, unschuldige Gefängnisinsassen z.B.

      Harvey Weinstein braucht keine Hilfe. Von allen möglichen Fällen in den USA sucht sich Sullivan ausgerechnet Harvey Weinstein aus? Weinstein, der literal jeden Top Anwalt des Landes engagieren kann und genau dies auch tut, wodurch er sich einen gewaltigen Vorteil beim Gerichtsprozess verschafft. Denn ich glaube nicht, dass sich die betroffenen Frauen ebenso solche Gigantenanwälte leisten können.
      Der Weinstein case ist ein criminal case, d.h. es ist Weinstein vs Staatsanwälte. Die werden da schon nicht den Rookie hinschicken.

      Hab aber jetzt einen Artikel ausm the atlantic magazin gelesen und da stand drinnen, dass Sullivan den case doch abgelehnt hat (sogar vor fast 2 Wochen). Wundere mich ein wenig über die NZZ, dass das in derem heute publizierten Artikel nicht erwähnt wurde und das diskontiert den Artikel dann doch einiges.
    • Kola_mit_Ice wrote:

      Lies mal richtig, was ich geschrieben habe. Ja, jeder hat ein Recht auf einen Anwalt. Harvey Weinstein hat aber aufgrund seines Reichtums “Recht“ auf die Topanwälte. Dadurch entsteht beim Gerichtsprozess ein Machtgefälle zu seinen Gunsten. Und genau das sollte jemand wie Sullivan nicht unterstützen.
      Aus meiner Sicht darf Weinstein gerne einen öffentlichen Anwalt gestellt bekommen.
      Wer legt das Fest ab wann man zu reich ist? Reiche Menschen sind keine schlechteren Menschen.
      Das was du vorschlägst ist völlige Willkür.




      2. das was devilchen sagt. Die Staatsanwaltschaft ist tausendmal heftiger als jeder Anwalt.
    • @devilchen, das ist mir bewusst, die Frauen werden aber ja vermutlich Nebenklägerinnen sein. Und ich weiß nicht, ob die Staatsanwälte mit Weinsteins Anwälten mithalten können. Wäre interessant zu wissen, welcher Anwalt den Staat vertritt.

      Edit: Dass man mit den finanziellen Mitteln eines Weinsteins übrigens auch gut potentielle Opfer durch Drohung und Druck zum Schweigen bringen kann und das mit besagten finanziellen Mitteln gut vertuschen kann, ist euch bewusst? Da ist es dann auch erst mal egal, wie stark die Staatsanwaltschaft ist.

      Außerdem @Südländer: Hör mal bitte auf mir die Worte im Mund zu verdrehen. Ich rede davon, dass du als reicher Mensch oft deutlich bessere Chancen hast, nicht schuldig gesprochen zu werden, als jemand Armes, und zwar unabhängig davon, ob du wirklich schuldig bist oder nicht.

      The post was edited 2 times, last by Kola_mit_Ice ().

      die calmer than a suicide bomber
    • Kola_mit_Ice wrote:

      @devilchen, das ist mir bewusst, die Frauen werden aber ja vermutlich Nebenklägerinnen sein. Und ich weiß nicht, ob die Staatsanwälte mit Weinsteins Anwälten mithalten können. Wäre interessant zu wissen, welcher Anwalt den Staat vertritt.
      In so nem high-profile case können die Staatsanwälte imo schon mithalten. Bin aber tbh auch kein Experte des US-Rechtssystems, es sei denn man zählt Suits, Billions, The Good Wife und Boston Legal :D.
    • Hier mal ein gutes Beispiel für das was ich mit dem ungerechten Machtgefälle in Gerichtsverhandlungen meine: Jeffrey Epstein
      Das ist genau das was metoo beklagt. Wohlhabende Männer in Machtpositionen begehen Sexualstraftaten, können sich aber dann, gestützt durch ihr mächtiges Netzwerk und ihre finanziellen Mittel, ihrer Verantwortung entziehen und machen den Betroffenen meistens noch das Leben zur Hölle. Ein strukturelles Problem.
      www.vox.com/platform/amp/2018/12/3/18116351/jeffrey-epstein-trump-clinton-labor-secretary-acosta
      Display Spoiler
      When authorities began investigating Epstein, he assembled a team of private investigators to dig up dirt on the girls who accused him and the police and prosecutors working the case. Then he and his team of powerful lawyers — including Alan Dershowitz and Kenneth Starr — were able to convince prosecutors to go easy on him despite disturbing allegations by a growing number of women and girls.

      Epstein was proud of his “collection” of famous friends, which included Bill Clinton and Donald Trump, and there’s long been speculation that some of these friends may have participated in his abuses. But because he has been able to avoid harsh punishment and minimize publicity around the details of his case, he’s also been able to keep details about anyone else who may have been involved out of the public eye.
      The fact that Epstein is free today is a reminder that the American justice system has long been all too willing to ignore the words of girls and women, especially when they accuse a wealthy and influential man. It’s a reminder that those with enough money and connections, from Epstein to Harvey Weinstein, can often manipulate the legal system to serve their own ends. And it shows how one powerful person can protect not just himself but anyone who might be connected to him, all while exploiting those who are powerless.

      The FBI had prepared a 53-page sex crimes indictment for Epstein in 2007 that could have sent him to prison for life, according to the Herald. Instead, he cut a deal with Alexander Acosta, then the US attorney in Miami, which allowed him to serve just 13 months — not in federal or state prison, but in a private wing of a Palm Beach county jail.
      Epstein’s deal, called a “non-prosecution agreement,” granted immunity to “any potential co-conspirators,” meaning that if any of Epstein’s powerful friends were involved in his crimes, they would face no consequences. And Acosta agreed that the deal would be kept secret from the victims, preventing them from showing up in court to try to challenge it.

      Mind you: Donald Trump war ein enger Freund von ihm. Es wird spekuliert, ob Trump Mittäter war, aber aufgrund dieses Deals ist er ja seitdem immun was diese Fälle angeht. Klasse oder?

      Eppsteins Opfer waren übrigens dutzende Minderjährige, viele gerade mal 13-14 Jahre alt.
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      die calmer than a suicide bomber