Go ne Schach?

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    • Ne, einfach nur Games. Theorie ist mir zu trocken, meine einzige Theorie ist von damals aus der Schach-AG der Schule :thumbsup: . Ich merke aber schon, dass zum Beispiel meine Endgametechnik grottenschlecht ist und ich da richtig viel wegwerfe.
    • Sooo, es ist mal wieder so weit. Bisher hab ich über Eröffnungen und Tactics geredet. Bei diesen beiden Themen fällt es noch relativ leicht, sich konkret zu überlegen, wie man sich darin verbessern kann. Der Großteil der Züge eines Schachspiel, bei dem die Eröffnung bereits abgeschlossen ist, bietet jedoch keine direkten taktischen Möglichkeiten und es ist tatsächlich eine sehr gute Frage, wie man diese anderen Aspekte des Schachspielens am besten erlernt. Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten und eigentlich weiß niemand so wirklich, was am besten funktioniert. Aber einige Dinge scheinen relativ allgemein anerkannt zu sein und ich versuche mal, einen kleinen Überblick zu geben.

      Was auf jeden Fall schon mal eine gute Grundlage bildet, egal auf welchem Level, ist viel zu spielen. Je länger das Zeitformat, desto besser. Vor allem, wenn man seine Spiele im Anschluss kurz analysiert, wenn möglich erstmal ohne Engine. Das Problem bei der Sache: das fühlt sich direkt an wie Arbeit. 10 Blitzgames spielen, danach wenn überhaupt mal kurz auf den Computeranalysebutton drücken und in ein paar Sekunden durchskippen ist auf jeden Fall chilliger als 2-3 Rapidgames oder 1 Classical zu spielen und sich im Nachhinein genau zu überlegen, welche die kritischen Stellen waren, warum man irgendetwas nicht considered hat oder falsch kalkuliert, etc. Da muss einfach jeder für sich abwägen, wie viel Zeit und Energie man da rein investieren will oder ob man vielleicht auch einfach nur Lust hat zu spielen, während sich zu verbessern eigentlich zweitranging ist. Ich tu mich da selber auch sehr schwer, da ich zwar eigentlich motiviert, aber eben auch sehr faul bin. Ich visiere für die nähere Zukunft halbwegs regelmäßige 10+5 Games an, vielleicht ab und zu auch mal 15+10. Mal schauen wie ich das so durchziehen werde. Ich hab schon ein paar Anläufe versucht, die dann aber nicht lange gehalten haben. Und wie viel Bock ich auf Spielanalysen habe, hängt oft auch ziemlich vom jeweiligen Spielverlauf ab.

      Der nächste Aspekt ist das Schachwissen. Theoretisch kann man bestimmt auch durch einfach nur spielen ganz gut werden, aber besonders effizient ist es nicht. Im Schach läuft viel über Patterns ab - nicht nur taktische - und je mehr man von diesen im Laufe der Zeit aufschnappt, desto einfacher fällt es, in seinen eigenen Spielen gute Züge zu finden. Die entspannteste Art, Wissen zu sammeln, ist wohl über Videos und Streams. Häufig genannt wurden hier z.B. John Bartholomew's Chess Fundamentals oder Daniel Naroditksy's Speedrun. Ebenfalls sehr empfehlenswert finde ich auch beispielsweise die Middlegame Serie von Hanging Pawns sowie Kostya Kavutskiy's Blueprint. Das Angebot ist mittlerweile so groß, dass man keinerlei Schwierigkeiten haben dürfte, guten Content zu finden. Und generell schadet es auch nie, einfach guten Schachspielern beim Spielen zuzuschauen und zu hören, was sie dabei über die Positionen denken. Ich schaue mir auch gerne Live-Turniere an (zumindest Rapid, für Classical fehlt mir dann doch die Geduld) und werde in Zukunft mal häufiger Streams mit guten Kommentatoren verlinken, wenn gerade was läuft.

      Dieses Wissen, welches man über die Zeit anhäuft, dann auch in besseres Spielen umzuwandeln, ist aber oft gar nicht so einfach. Denn gerade Videocontent verleitet sehr schnell zu eher passivem Konsumieren, sodass zwar schon Informationen aufgenommen werden, aber oft nicht besonders gut verinnerlicht werden. Und wenn im eigenen Spiel die Uhr tickt, ist es nicht so einfach, alte Denkmuster zu durchbrechen und neue Ansätze umzusetzen. Daher sind auch im Jahre 2021 noch immer Schachbücher häufig das Mittel der Wahl für entsprechend motivierte Spieler. Im besten Falle solche, die zunächst ein Konzept einführen und anhand von Beispielen erklären, und anschließend dem Leser Aufgaben stellen, bei denen er das Gelernte direkt anwenden muss. Denn wer schon mal z.B. ne Folge von Naroditsky's Speedrun gesehen hat, kennt bestimmt das Gefühl sehr gut, dass alles ziemlich einleuchtend erscheint, wenn ein Großmeister einem die Gründe für einen bestimmten Zug erklärt. Aber das dann in seinen eigenen Spielen selber anzuwenden, ist in aller Regel nochmal etwas ganz anderes.

      Ich selber hab gerade endlich mein erstes Schachbuch komplett durchgearbeitet. Ich hatte mich für dieses hier entschieden. Wie sehr viele Leute hatte und habe ich nach wie vor häufig das Problem, dass ich in Stellungen, in welchen mein Gegner mir keine offensichtlichen Angriffsflächen bietet, oft nicht so genau weiß, was für Pläne ich verfolgen sollte. Dann werde ich ungeduldig, versuche irgendwas zu erzwingen, mache dabei was Dummes und verliere. How to Reassess Your Chess ist eine Art Einführung in das sogenannte "Positional Chess", bei dem es genau um solche Stellungen geht. In dem Buch geht es z.B. um gute und schlechte Figuren, Bauernstrukturen, schwache Felder, statische vs. dynamische Vor-/Nachteile, etc. Ist ein ziemlicher Brocken mit 650 Seiten und ich hab etwa 4 Monate gebraucht, denn auch hier fühlte sich das oft wieder wie Arbeit an und dementsprechend hab ich es auch häufig mal ne Weile beiseite liegen lassen. Aber prinzipiell fand ich es echt sehr hilfreich und habe neulich schon direkt neue Bücher nachbestellt. In dem Schachdiscord, welches ich für mich entdeckt habe, wird nämlich eine Buchreihe sehr gehyped, mit der ich nun auch endlich anfangen werde. Zunächst einmal heißt die Reihe Tigersprung und der Autor sieht so aus, und außerdem ist es das Ziel der Reihe, dem Leser quasi einen gesamten Überblick über verschiedenste wichtige Schachkonzepte mit steigendem Schwierigkeitsgrad zu geben - quasi wie Schulbücher, nur eben für Schach. Und der Fokus liegt wiederum auf dem eigenen Anwenden des Gelernten auf verschiedene Stellungen. Da hab ich schon gut Bock drauf und gehe aktuell davon aus, deutlich weniger als 4 Monate pro Buch zu brauchen.

      Obwohl die ersten drei Bücher dieser Reihe unter dem Titel "Tigersprung auf 1500 DWZ" laufen, sollen sie bereits durchaus anspruchsvoll sein. Aber auch für weniger starke Spieler gibt es eine mehrstufige Reihe, über die ich viel Gutes gehört habe. Ursprünglich wurde sie für holländische Schulkinder konzipiert und soll sehr gut konzipiert sein. Ich glaube es geht dort u.a. auch viel um Tactics, aber etwas strukturierter als man es mit Lichess Puzzles o.ä. hätte. Step 1 ist wohl sehr basic und man kann direkt mit Step 2 anfangen, auch wenn man noch ziemlicher Schachneuling ist.

      So viel erstmal zum Thema Chess Improvement. Ich vermute mal, dass vieles, was ich hier angesprochen habe, für die meisten Leute nicht besonders attraktiv klingt, aber vielleicht war es ja trotzdem ein interessanter Einblick. Und abschrecken wird es hoffentlich auch niemanden, denn @DerSaxe z.B. ist ja ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man es auch alleine durch viel spielen ziemlich weit bringen kann, solange man irgendwann mal ein paar Grundlagen gelernt hat. Ich muss übrigens zugeben, dass ich selber überrascht bin, wie motiviert ich aktuell an die Sache rangehe. In den letzten 10 Jahren hatte ich eine Reihe an Schachphasen, aber bisher gingen die in der Regel jeweils so 1-2 Monate und bestanden fast ausschließlich aus Blitz + Bulletgames grinden, bis relativ schnell ein Plateau erreicht wurde, woraufhin ich dann auch genau so schnell wieder die Lust verloren habe weil ich nicht groß reincommitten wollte. Und auch in anderen Spielen oder Sportarten hab ich nie über nen längeren Zeitraum aktiv versucht, mich abgesehen vom einfachen Spielen gezielt in irgendwelchen Sachen zu verbessern. Egal ob haufenweise Jumpshots nehmen oder Ballhandlingdrills machen im Basketball, Schüsse und Pässe üben im Tischkicker, Aimmaps spielen in CS, Lasthitten und auf die Minimap schauen in DotA (oder was auch immer man da noch machen könnte, habe actually keine Ahnung), für all diese Sachen war ich immer viel zu faul. Daher ist es echt merkwürdig, aber auch sehr nice, dass mir das auf einmal echt Spaß macht. Meine jetzige Schachphase wurde letztes Jahr Ende August von @MCHEIDIBRAK eingeleitet, und statt nach meinen gewohnten 1-2 Monaten Blitzgrinds das Ganze wieder bis auf Weiteres zu beenden, wollte ich auf einmal endlich mal besser werden. Tatsächlich hab ich seit Monaten außerhalb von den Lichess Bundesliga Turnieren kaum Games gespielt sondern hauptsächlich Tactics gemacht, Videos geschaut, mein Buch durchgearbeitet und seit Anfang des Jahres ein Eröffnungsrepertoire zusammengebastelt. So langsam bin ich aber glaube ich ready um wieder mehr zu spielen, daher mein obiger genannter 10+5 Plan.

      Und generell: egal was man macht, das wichtigste ist, dass es einem Spaß macht, denn nur dann wird man auch dran bleiben. Und das wandelt sich auch. Ich hatte z.B. nie Bock, Eröffnungen zu lernen, bis ich irgendwann eingesehen habe, dass mich das ziemlich zurückhält. Daher war dann auf einmal die Motivation da, und dann hat es plötzlich auch durchaus Spaß gemacht. Ich hoffe, dass es mir so ähnlich irgendwann auch mal mit Endspielen gehen wird, weil von denen hab ich nach wie vor keine Ahnung und drücke mich noch vor ihnen, solange ich nicht das Gefühl habe, dass mir dadurch zu viele Punkte entgehen. Aber gerade wenn ich in Zukunft mehr längere Games spiele, kann ich mir gut vorstellen, dass das bald ein ziemlicher limitierender Faktor werden könnte.


      Ich glaube das war es nun erstmal an ausgedehntem Schachgelaber von mir, zumindest wüsste ich aktuell nicht, worum es in der nächsten Ausgabe gehen sollte. Aber vielleicht fällt mir irgendwann mal wieder was ein und dann gibt es ein Sequel. Und da ja in letzter Zeit einige von euch relativ neu zum Schach gekommen sind: ich stehe jederzeit für Fragen o.ä. zur Verfügung. Anfang der Woche hab ich schon mal probeweise @Jan und @südländer im Voice ein paar Sachen erklärt und mit ihnen gemeinsam Games gespielt und danach besprochen und das hat mir echt Bock gemacht, also schreibt mich gerne einfach an :saint:
    • "Und generell: egal was man macht, das wichtigste ist, dass es einem Spaß macht, denn nur dann wird man auch dran bleiben. "
      :D
      Current Mantra:
      Wenn ich einen Bandscheibenvorfall habe, bin ich bei der Arbeit, wenn ich 40 Grad Fieber habe, bin ich bei der Arbeit, wenn meine Frau mit mir Krach macht und mich die Nacht nicht schlafen lässt, bin ich bei der Arbeit.
    • So meine Freunde.
      Heute auch mal ein kleiner Chess Report von mir.

      Ich habe soeben die 1600 Elo geknackt. In den letzten 4 Monaten gut 300 Elo klar gemacht und ab jetzt kanns nur noch bergab gehen (jk).


      Dazu motiviert mal richtig Elo fit zu machen hat mich folgender Thumbnail aus einem Hikaru Video auf YouTube:


      Seit dem literal Queens Gambit (weil Netflix) und Karo-Kann (weil geil) only geballert und das Elo hat sich nur so in meinen Elo-Eimer ergossen.

      Meine Knackpunkte für meine zukünftige Schachkarriere:
      - evtl. mal ein neues Opening bzw. Verteidigung lernen, auch auf die Gefahr hin direkt hunderte Elo reinzublundern
      - dieses Jahr 1800 (realistisch?)
      - an einem @mallegrins Trainingsbootcamp teilnehmen



      - vielleicht mal was schnelleres als 10+0 spielen (optional 8o )