Lehr- und Pädagogikecke

    • Dieses Lernen durch Lehren ist der letzte trendige Shit. Stoff vertiefen halte ich für sinnvoller. Nur, weil man eine 2 hat heißt es noch nicht, dass man wem was richtig erklären kann. Da fragt man sich echt, warum man überhaupt Didaktik-Module hören musste, wenn so einem Knirbs das auch zugetraut wird. Aber hey, man lernt selbstbewusst zu sein und "entwickelt" sich. Pro Klasse sind es vlt. 2 Schüler, die kompetent einem etwas erklären können und den behandelten Stoff soweit drin haben, dass sie das überblicken. Und trotzdem sind sie ja keine Stunde weiter als die anderen. Total beschränkte Sicht. Der Rest erklärt falsch und machts nur noch schlimmer.

      Unterricht soll immer nach unten orientiert sein und nach oben binnendifferenziert werden. Das Problem ist ja eher das Desinteresse für alles gepaart mit Gruppendynamik.
    • Wieso soll ich denn als Schüler wem anders was erklären wollen und viel wichtiger auch können?
      Also ist wohl ne Typsache, aber ich hab außerhalb des Unterrichts sehr ungern wem was beigebracht oder mit anderen gelernt. Und im Unterricht ist das Aufgabe des Lehrers, der dafür ausgebildet wurde und bezahlt wird.
      Ich war auf ner Grundschule im sozialen Brennpunkt und hab gesehen was es mir bringt, wenn man mit nicht so guten Schülern in einer Klasse ist: Mir gar nichts, weil ich weniger gelernt habe als Schüler in einer homogenen Klasse.
      Halte von diesem Niveaumischen absolut gar nichts
    • ich meinte das weniger als Stoff an sich erklären. hab mich da unglücklich ausgedrückt. Sollte eher in Richtung "nicht immer der dumme sein" gehen. Versuche das beispielsweise in der Erziehung so zu machen. Während andere Eltern oft darauf achten, dass ihr kind nur mit älteren zusammen spielt (ist wirklich nen thing) damit es sich was abschauen kann, achte ich darauf, dass es auch mit jüngeren spielt um beide Seiten zu kennen. halte ich für wichtig um kein sozial inkompetenten balg zu erzeugen, kann aber falsch sein. sry für derail
      kein aquatischer bastard
    • Schon klar. Aber ich bin da dennoch kritisch. Man beobachte nur mal, wie Schüler die Addition von Brüchen a/b + c/d = (ad+bc)/bd erklären. Nämlich gar nicht bis auf "mach das, dann das, dann das". Ergebnis richtig, aber __warum__ und unterschiedliche Interpretationen sind da auch nicht bei. Es geht ja nicht immer um abgucken und nachmachen, sondern ums Nachdenken und Ordnen. Und das nimmt einem keiner ab.
    • Yarox schrieb:

      Bin aber interessiert an der Meinung von @flyhigh und @Matlok zu dieser Methode.
      Es ist für mich schwer hierfür eine Meinung abzugeben, da ich den Unterricht nicht beobachten konnte. Ich kann also nur erzählen, was Statistiken und andere Lehrkräfte erzählen.

      Bei uns heißt es nur "Gesamtschule", das "i" fällt also weg. Die Gesamtschulen waren ein Lieblingsprojekt der Grünen und es wurde und wird massiv Geld hereingesteckt. Die Gesamtschulen in BaWü verfügen über die neuste Ausrüstung: Beamer, Tablets, Computer, alles vom feinsten. Als Gymnasiallehrer kann man auch mit A13 dort anfangen.

      Das Ziel: Schüler unterschiedlicher Niveaustufen sitzen zusammen und die Gymnasialschüler lernen u.a. dadurch, dass sie den Haupt- und Realschülern was beibringen. Im Prinzip gar nicht so doof. Wenn ich allerdings die Wahl habe, meine Tochter, die in der Grundschule exzellent war, zwischen Haupt- und Realschülern oder zwischen Menschen ihres Niveaus zu setzen, dann werde ich mich immer für Letzteres entscheiden. Es geht auch eher in die andere Richtung: Dadurch, dass die Grünen die Gymnasialempfehlung abgeschafft haben, bekommen wir Lehrer es in der 5. Klasse teilweise mit Schülern zu tun, die eigentlich auf die Hauptschule sollten.

      Das heißt, dass in der 5. Klasse so gut wie keine Schüler des Gymnasialniveaus dort sind. Die kommen eher später hinzu, wenn sie, wie du, das Gymnasium nicht packen.

      In der achten Klasse wird ein Vergleichstest zwischen 8. Klassen geschrieben, der "Vera 8" heißt. Alle Schüler in der 8. Klasse, egal auf welcher Schule sie sind (Berufsschule ausgenommen) müssen diesen schreiben. In unserer Gesamtlehrerkonferenz werden dann immer die Ergebnisse dargestellt. Leider habe ich sie öffentlich nicht gefunden. Die Gymnasien Baden-Württembergs haben am besten abgeschnitten. Die Gesamtschulen am schlechtesten, noch hinter den Hauptschulen. Das fand ich doch ziemlich überraschend, denn ich hätte erwartet, dass sie wenigstens besser als Hauptschulen abschneiden.

      Von Kollegen, die dort arbeiten, höre ich meistens auch nichts Gutes. Es gibt keine Curricula und so gut wie jeder Lehrer muss fachfremd unterrichten. Da muss die Deutschlehrerin mal Physik unterrichten oder der Englischlehrer Mathe. Lehrpläne werden zusammen mit dem Kollegium entworfen, daher unterscheiden sie sich von Gesamt- zu Gesamtschule. Ich hörte auch, dass man mehr Zeit damit zubringt, Strafarbeiten zu verteilen, als mit dem Unterricht durchzukommen. Ach, und als Lehrer bist du sowieso dazu verpflichtet, deinen Unterricht so auszulegen, dass alle drei Niveaustufen bedient werden. Aber eigentlich nur zwei, weil Gymis gibt es da ja nur, wenn du Pech hast.

      Ich habe allerdings auch von wenigen, sehr positiven Beispielen gehört. Es kommt also wirklich auf die Schule drauf an.
    • Yarox schrieb:

      Immer wieder interessant zu sehen, wie es in anderen Bundesländern ist.
      Ist genau das aber nicht auch eines der Kernprobleme in Deutschland? Das Bildung immer noch nicht auf der Bundesebene angekommen ist,sondern auf föderaler Ebene versauert?

      Beim Thema Gesamtschule halte ich es dann doch eher wie @Der_Busfahrer.,war schon froh, dass ich es damals nur mit den Trotteln zutun hatte die es aufs Gym geschafft hatten. Ich maße mir auch nicht an sagen zumüssen ob eine Gesamtschule für das Gros der Schüler eine Verbesserungdarstellt oder nicht. Aber aus meiner individuellen Sicht war der dreigleisige Schulzweig schon sinnvoll. Problematisch wurde es jetzt halt auch, weil aufeinmal auch ein Frisör anfängt nur noch Gymnasiasten als Lehrlinge haben zuwollen. Dadurch ist man halt als Hauptschüler mittlerweile echt gekniffen was Lehrstellen angeht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von m-u-h ()

      die, die, dynamite
    • Ich bin sehr froh, dass das Bildungssystem föderal gesteuert wird. Eine Löhrmann auf Bundesebene würde dem Standort Deutschland insgesamt schaden. So nur das dumme NRW. Ich bin aber ganz allgemein gegen die Zentralisierung. Weil es einfach nur den Anschein von Bildung weckt, wenn VERA und andere Zentraltests durchgeführt werden, diese aber MASSIV vorbereitet werden in den Schulen. Ich mache Tests, um Kompetenzen zu prüfen: Schön und gut. Aber in der Regel wird der Probant NICHT explizit darauf vorbereitet. Da geht man alte Testfragen durch und weiß, wie die Aufgaben so aussehen. Kein Wunder, dass man nur noch von Prüfung zu Prüfung lernt. Es wird ja schon so in den Schulen kommuniziert, dass das der Grund ist, überhaupt da hinzugehen.

      Die ganzen Pisa Koordinatoren wollen Ergebnisse wie die Chinesen oder Koreaner sie haben und sehen in diesen Ländern eine positive Bildungsphilosophie und verblenden die massiven Probleme, die diese Länder dadurch im Sozialwesen haben. Europa hat andere Werte, zu denen wir die der Aufklärung ganz maßgeblich zählen. Dazu gehört, seine Meinung zu sagen und auch mal andere Wege als Lösungskandidaten zu gehen. Die werden aber in solchen Tests verhindert und bestraft. Wer abweicht vom allgemeinen Denken kriegt Abzug.

      Ich bin eher für sehr gute Lehrer an den Schulen und gute lokale Strukturen in den Städten. Schulaufsicht benennt und kontrolliert nur die Standards, Rest wird vor Ort geregelt. Zentralabitur kann gerne bleiben, wobei man mal ehrlich sein muss: Wie objektiv sind die mündlichen Prüfungen? Müssten in einem zentralen standardisierten Test nicht genau solche Prüfungen wegfallen? Oder ein unabhängiger Prüfer, z.B. ein Lehrer einer anderen Schule, sie durchführen?

      Es ist viel Blenderei dabei.
    • Yarox schrieb:

      Zentralabitur kann gerne bleiben, wobei man mal ehrlich sein muss: Wie objektiv sind die mündlichen Prüfungen? Müssten in einem zentralen standardisierten Test nicht genau solche Prüfungen wegfallen? Oder ein unabhängiger Prüfer, z.B. ein Lehrer einer anderen Schule, sie durchführen?
      Der Prüfer bei mir im mündlichen Abitur war von ner anderen Schule.
      Spoiler anzeigen
      Hat sich von meinem Geschichtslehrer trotzdem die Note um 2 Punkte hochlabern lassen
      Byron - Attributmagier
      Der Korpothread

      Oster schrieb:

      Wenigstens shrodo denkt mit.





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