Der "war ein interessanter Artikel" Thread

    • Thx für den Share @Bighead

      Bin ja fürs einfache lesen der Bibel echter Fan der Lutherbibel, seine Sprachgewalt ist fantastisch, auch wenn er leider Antisemit war. Diese ganzen deutschen "modernen" Bibel mag ich gar nicht, auch wenn die ja meist auf der Lutherbibel beruhen, wollen sie oft Dinge "klarer" machen, wodurch die Message nicht so gut rüberkommt imo.

      Was Grimm anspricht ist meines Erachtens nach falsch und auch nicht wirklich das, was in dem Text steht. Nicht die "Machthaber" haben das angepasst oder es wurde an sie angepasst, wie man auch sehr einfach am Beispiel der Lutherbibel sehen kann (diese ist entgegen aller Machthaber entstanden für das Volk!) sondern die falsche Übersetzung. Und ich will sogar soweit gehen, dass ich nichtmal "falsch" sagen will.

      Man könnte beispielsweise auch heutzutage einen willkürlichen Satz nehmen, diesen vom Deutschen ins Englische, vom Englische ins Lateinische, davon ins Griechische, dann ins Aramäische und dann wieder zurück ins Deutsche übersetzen und dabei wird dann oft etwas anderes herauskommen, als der ursprüngliche Satz, auch ohne "falsche" Übersetzungen. Sprache hat eben einfach Reibungsverluste, aber besser können wir unsere Gedanken nicht weitergeben.

      Daher finde ich es immer wichtig, jedenfalls mache ich es so, wenn ich mich mit einer Bibelstelle genauer auseinandersetze, eben den Originaltext mit entsprechenden Übersetzungen neben den Deutschen Text zu legen und zu schauen, wie und warum das so übersetzt wurde. Das erstaunt einen relativ oft, kann ich also jedem empfehlen, der sich z. B. als einfaches Beispiel mal mit den 10 Geboten auseinandersetzen will, manche erscheinen auf einmal in einem anderen Licht. Hierzu muss man aber auch sagen, dass die Menschen früher nicht nur eine andere Sprache gesprochen haben, sondern allgemein anders geredet haben. Zudem gibt es für manche Wörter einfach keine 1zu1 Übersetzung bzw. Mehrdeutigkeiten. Wie diese dann ausgelegt werden, muss man interpretieren, da gibt es keine 100% richtige Lösung.

      Bei so alten Schriften sollte man sich jedenfalls auf jeden Fall, wenn man einzelne Bibelverse verstehen will/damit argumentieren will, die Original-Überlieferung anschauen und wie die Sachen damals übersetzt und weiterübersetzt wurden (Aramäisch->Griechisch->Latein->Deutsch), falls das bisher noch nicht so gemacht wurde.


      Guten Morgen an muh, sleepy, proudbavarian, seren, incognito, zinnsoldat, qory, juff, sic, banez-, arrow^gunz, cloud, zenarius, Tobi und den rest des DS-Stammtischs
    • Zeit schrieb:

      Mehr als 50 Prozent aller Jesus-Worte, die uns aus dem Griechischen überliefert sind, sind falsch übersetzt oder bewusst gefälscht.
      Natürlich gibt es auch falsche Übersetzungen und ich kann auch nicht abschätzen, wie sich das prozentual so verhält, aber das waren ja auch nur Menschen, die das übersetzt haben. Und die haben auch nicht immer die besten Absichten.


      till schrieb:

      warum ist es relevant ob die schriften original oder verlässlich sind?
      Weil eins der heiligsten Dokumente einer Weltreligion darauf beruht. Wenn die originalen Schriften echt nicht verlässlich sind, dann könnte man das Dokument ja mal rundum überarbeiten und den ganzen bullshit rausnehmen.
    • @Grimm es geht doch darum, dass man durch diese großteils ignorierten Schriften näher an die Worte herankommen kann, die der historische Jesus benutzt hat. Unabhängig davon, ob er jetzt aus Wasser Wein gemacht und am dritten Tage auferstanden ist, ist seine Message der Liebe doch damals so lebensverändernd gewesen, dass er dadurch eine große Sekte entstanden ist, die später zur größten Weltreligion wurde. Ob das, was noch aramäisch erhalten ist jetzt wortwörtlich korrekt übernommen wurde ist natürlich nicht feststellbar. Aber dass da ein sehr charismatischer, einfühlsamer und schlauer Mensch damals die Leute weg von Hass und Gewalt und hin zum besseren Menschsein führen wollte, ist doch ausreichend, sich mit ihm zu beschäftigen und zu schauen, was er am ehesten sagen wollte.

      Verlässlichkeit ist natürlich nicht gegeben, aber warum spielt diese eine Rolle? Dachte dass grade du nicht glaubst, dass literal Gott mit Jesus interagiert und ihm "die einzig wahren Wahrheiten" mitgegeben hat. Und selbst wenn, eine stärkere Annäherung an das "wahre Wort Gottes" ist doch besser als keine.

      Grimm schrieb:

      Dokument ja mal rundum überarbeiten
      Du überarbeitest aber auch nicht Faust, um den moralischen Kompass an heute anzupassen. Die "Heiligkeit" kommt aus der Tradition. Hält dich niemand davon ab, die Grimm-Bibel zu verfassen, in der du Stories erzählst, die den Leuten einen moralischen Leitfaden geben. Spoiler, davon gibt's echt viele Bücher. Vielmehr ist es doch gut, die durch das Aramäisch vermuteten Abänderungen von früheren Quellen zu erfassen, damit man besser erahnen kann, was diese weltverändernde Persönlichkeit Jesus gesagt hat.

      Auch das ist dann wie alles andere auch mit Vorsicht zu genießen, aber doch durchaus interessant. Wie du an den Beispielen im Text über Franziskus siehst, ist es damit auch eher möglich, überholte Denkmuster der institutionellen Strukturen der Kirchen aufzubessern, weil der Begründung "die Bibel sagt aber Jesus hatte keine weiblichen Apostel oder gar eine Frau" die Grundlage entzogen wird. Die Kirche kann sich dann nicht mehr auf diese "falschere" Version von Jesus Worten berufen, und diese Worte sind ja ihre Legitimation.

      Insgesamt find ich den Text deshalb aus zwei Gründen nice, erstens weil die Kirchen sich mit sich selbst und der Legitimation ihrer Grundsätze beschäftigen muss(müsste), und zweitens weil mir als Normalo ein unverfälschteres Bild der überaus folgenschweren Worte Jesu machen kann.