Der "war ein interessanter Artikel" Thread

    • shrodo wrote:

      Was ist Liberalismus, Herr Lindner?
      Interview der Zeit mit Hr. Lindner über seine Sicht auf den Liberalismus. Ist imo bezeichnend, wie er sich Anfangs um ne klare Antwort herumwieselt. Auch das mit den Prozentwerten der Quandts ist nicht ganz korrekt.

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      Lindner ist litetally dumm, oder?

      >Leistung und Kreativität muss sich lohnen
      >Leistungsloses Einkommen ist ok

      Und iirc hat das Vermögen von Quandt seinen Ursprung nicht in BMW, oder mit welchem Kapital hat man BMW gekauft?

      Ah, war pre-45 Vermögen

      Und Erbschaftssteuer bezahlt btw. der Erbe, nicht der Erblasser. Bei Youtube gibts jetzt immer die wiki Artikel verlinkt. Evtl. sollten Politikeraussagen in nem Interview auch mal immer direkt mit den fakten abgeglichen werden
      FREE Hat
    • zeit.de/2019/25/xenotransplant…splantation-spende-mensch

      Ich bin ja sehr gespannt, wann das serienreif wird. Ist denke ich eine sehr interessante und machbare AIternative.

      "FuIItext"

      Xenotransplantation:Ein Herz für uns

      In München werden Schweine gezüchtet, deren Herzen bald im Menschen schlagen sollen. Ersatzteile vom Tier – was medizinisch näher rückt, bleibt ethisch heikel.

      Von Gesa Steeger

      12. Juni 2019, 16:49 UhrEditiert am 15. Juni 2019, 18:06 UhrDIE ZEIT Nr. 25/2019, 13. Juni 2019

      AUS DER ZEIT NR. 25/2019


      Ein Herz für uns

      Das Herz eines ausgewachsenen Schweins – Deutsche Landrasse, hellrosa mit Schlappohren – wiegt etwa 300 Gramm. Es ist so groß wie eine Faust und passt perfekt in den menschlichen Brustkorb. Dort könnte es bald schlagen.

      Im Dezember 2018 überlebte ein Schweineherz 195 Tage in einem Pavian. Ein Rekord. "Die Schwelle, ab der man an klinische Studien denken kann, wurde damit überschritten", sagt Eckhard Wolf, Leiter des Instituts für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), "noch drei, vier Jahre, dann sind wir hoffentlich so weit." Dann soll transplantiert werden, vom Schwein zum Menschen, in einem klinischen Versuch. Es könnte der erste sein, weltweit.

      Xenotransplantation: von einer Spezies zur andern. Bald soll nicht nur die Verpflanzung tierischen Gewebes in den Menschen gelingen, sondern womöglich die eines kompletten Organs. Wolfs Plan: Das Herz eines genmodifizierten Klonschweins soll transplantiert werden, in einen Menschen.


      Ein alter Gutshof, nördlich von München. Die Einfahrt ist aus grauem Schotter, in einem offenen Stall steht eine Reihe träge wiederkäuender Kühe, links das Haupthaus. Seit den 1950er-Jahren befindet sich hier das Versuchsgut der LMU, ein Labor auf dem Bauernhof. Weiße Fassade und die lindgrünen Fensterläden strahlen ländliche Idylle aus. Es sei möglich vorbeizukommen, schrieb Wolf Anfang April in einer E-Mail. Auch die Schweinezucht könne man sich anschauen. "Aber nur, wenn Sie vorher mindestens eine Woche keinen Kontakt zu anderen Schweinen hatten. Und Sie müssten den Zugang über eine Duschschleuse, mit vollständigem Kleidungswechsel, über sich ergehen lassen." Jetzt, einen Monat nach der Mail, geht Wolf durch einen langen Flur im Erdgeschoss des Versuchsguts. Das helle PVC ist schon etwas abgelaufen, die Türen sind nummeriert und beschildert. Eckhard Wolf öffnet eine weiße Holztür: A.007. Labor Zakhartchenko; zwei aufgeräumte Labortische. Auf den Ablagen stehen graue Apparate, die leise surren. Es riecht nach Labor. Scharf und zugleich sehr sauber.

      Wolf ist 55 Jahre alt, studierter Tiermediziner, Sprecher des Sonderforschungsbereichs "Xenotransplantation", Co-Autor der rekordverdächtigen Studie und je nach Blickwinkel ein Pionier, ein Tierquäler oder einer, der Menschenleben rettet. Ein Ruf, dessen Ausgangspunkt in Raum A.007 zu finden ist. Hier klonte Wolf 1998 als erster deutscher Forscher ein Säugetier, gemeinsam mit seinem Kollegen Valeri Zakhartchenko. Heraus kam Uschi, ein Kalb mit großem weißem Flauschkopf und braunen Ohren. Es gibt Fotos von damals. Wolf mit dunklen Haaren und rotem Sakko. Er schaut glücklich auf sein Werk.

      Will die Gesellschaft das?

      Die Wissenschaft reagierte seinerzeit begeistert auf Wolfs Erfolg, die Gesellschaft entsetzt: "Wenn wir die Klonversuche nicht stoppen, wird auch bald die Nachkommenschaft des Menschen im Reagenzglas geregelt", sagte damals der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Wolf hat weitergemacht. Im selben Flur, Raum A.024. "Hier werden die geklonten Embryonen hergestellt", sagt er. In seinem grünen Wildlederjanker wirkt er wie ein Gast auf Rundgang. Von der Herstellung ist nicht viel zu sehen. Außer einer jungen Frau, die im weißen Kittel vor einem Mikroskop sitzt. In einer Hand hält sie eine lange Glaspinzette, mit der sie den Inhalt einer Petrischale bearbeitet. Genmodifikation ist Handarbeit. Nicht mehr für Wolf, mittlerweile kümmert er sich vor allem um das Schriftliche, im Labor ist er nur noch einmal die Woche. Den Rest der Zeit wirken hier seine Mitarbeiter, vor allem Molekularbiologen, die Schweinezellen genetisch modifizieren, unliebsame DNA mithilfe einer Genschere ausschneiden und durch neue ersetzen. So bilden sich menschliche Proteine, die dafür sorgen, dass das fremde Organ nicht abgestoßen wird. Das Ergebnis sind Schweine, deren DNA perfekt zum menschlichen Organismus passt. Die Mischwesen, sie haben Wolfs Ruf zementiert – den eines Grenzgängers. Für Tierschützer sind diese Forschungen Quälerei, für die Wissenschaft Pionierarbeit. Für Menschen, deren Herz stehen zu bleiben droht oder bereits irreversibel versagt, sind sie ein Schimmer der Hoffnung. Rund 700 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderherz. Die Xenotransplantation soll Abhilfe schaffen. Organe könnten auf Bestellung entnommen werden, so lautet das Versprechen der Forschenden. Gesunde Organe, ohne die Einflüsse von Unfällen, Trauma und Schock.

      Bloß, will die Gesellschaft das? Spricht man über Xenotransplantation als Therapieform, spricht man auch über ethische, rechtliche und kulturelle Fragen, auf die es wenige bis keine Antworten gibt. Sind wir dazu bereit, Tiere als Ersatzteillager zu nutzen? Darf man Tiere töten, um Menschen zu retten? Und was passiert mit der Psyche von Patienten, die ein Tierorgan in sich tragen? "Das Thema fordert uns als Gesellschaft im Ganzen", urteilte eine Bürgerkonferenz zur Xenotransplantation Mitte Mai dieses Jahres. Achtzehn Teilnehmer aus dem Raum München, zufällig ausgewählt, ausgelost nach Alter, Geschlecht und Wohnort, hatten sich an drei Wochenenden mit den Vor- und Nachteilen von Xenotransplantation beschäftigt. Darunter ein Taxiunternehmer im Ruhestand, eine Schülerin, eine Unternehmensberaterin. Sie formulierten Fragen, sprachen mit Experten und wühlten sich durch Studien. Initiiert wurde die Bürgerkonferenz vom LMU-Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin. Dessen Leiter Georg Marckmann ist ein langjähriger Beobachter aller Entwicklungen in der Xenotransplantation. Bereits 1999 prognostizierte eine Pharmafirma in der Schweiz, ab 2010 jährlich 300.000 Menschen mit tierischen Organen versorgen zu können. 2006 kündigten US-amerikanische Wissenschaftler erste klinische Versuche an, ebenfalls für 2010. Dass die Methode komme, sei diesmal realistischer denn je, sagt Marckmann. Was bis vor ein paar Jahren undenkbar schien, die klinischen Versuche am Menschen, sie stünden kurz bevor. "Jetzt ist es dringend notwendig, die mit der Xenotransplantation verbundenen ethischen Herausforderungen breiter zu diskutieren und zu überlegen, wie wir diesen angemessen begegnen können." Im Dezember 2018 veröffentlichte das Forschungsteam um den Herzchirurgen Bruno Reichart – er ist verantwortlich für die Transplantationen – und Eckhard Wolf eine Studie, die als Durchbruch gilt. Zwei Paviane überlebten ein halbes Jahr mit einem genmodifizierten Schweineherz, drei weitere Tiere mehrere Monate. Ein Versuch, über den der Fachbereichsleiter des Paul-Ehrlich-Instituts, der Zulassungsstelle für die klinischen Studien, in seiner Beurteilung schreibt: "Mit dieser Studie wurde erstmals die von Herzkliniken geforderte Grenze von drei Monaten zur Gewährleistung der Funktionalität im Empfängerorganismus überschritten. Somit können Schweineherzen als Alternative zu humanen Herz-Allotransplantaten weiter entwickelt werden." Und das Robert Koch-Institut urteilt: "Diese Publikation ist bahnbrechend und überzeugend." Das Fazit der Bürgerkonferenz fällt vorsichtiger aus: "Generell sehen wir große Chancen in der Xenotransplantation, allerdings auch Gefahren und unbekannte Risiken. Wir als Gruppe sind uns darüber im Klaren, dass der heutige Kenntnisstand nicht ausreicht, um all diese Risiken einzuschätzen." Wer in die Schweineställe der LMU will, muss durch eine Schleuse, muss duschen, Haare waschen, in Arbeitskleidung und Schlappen schlüpfen. Die Ställe sind luftdicht abgeschlossen, frei von Keimen der Außenwelt. Riechen tut es trotzdem sehr, nach Schwein, besonders bei den Ebern. Auch sonst sieht es aus wie auf jedem anderen Bauernhof: Kojen, rosige Sauen, Ferkel und Schubkarren. Wolf hat sich ebenfalls umgezogen, statt Janker trägt er ein blaues Polohemd und eine schwarze Stoffhose. Langsam läuft er durch die Stallungen. Im Vorbeigehen tätschelt er die platten Schnauzen, die sich neugierig gegen die blanken Eisengitter drücken. Die Tiere werden durchgecheckt, in regelmäßigen Abständen kommt das Veterinäramt vorbei, um die Stallung zu prüfen. Dies zu betonen ist Wolf wichtig. "Das ist hier keine Tierquälerei", sagt er, "die Tiere leben hier unter normalen Umständen." Auch wenn die Umstände normal sind, die Tiere sind es nicht. Nicht im ursprünglichen Wortsinn: naturbelassen. Viele der Tiere hier sind Klone, sie tragen modifizierte Gene in sich. Neben der Xenotransplantation forschen Wolf und sein Team auch an der Behebung von Krankheiten wie Diabetes oder Duchenne-Muskeldystrophie.

      In einer der Kojen steht ein rosiges Schwein, die Schnauze ist etwas eingedrückt, die Borsten sehen aus wie weiches weißes Fell. Das Tier ist recht klein und dick, selbst für ein Schwein. Es ist Teil von Wolfs Forschung, oder besser, das Ergebnis. Seine Gene sind vierfach modifiziert. Quasi die nächste Evolutionsstufe eines Xenoschweins. Sein Herz soll perfekt geeignet sein für den Menschen. Die Wachstumshormon-Rezeptoren des Tieres wurden ausgeschaltet und damit das sogenannte Laron-Syndrom hervorgerufen, eine seltene Form von Kleinwuchs, damit das Herz des Schweins nicht zu groß für die Transplantation wird. Das Tier produziert auch ein humanes Protein, welches die Abstoßung verhindert. Ein Enzym, das die Abstoßung mit hervorruft, wurde entfernt. Ein weiteres humanes Protein verhindert die Blutgerinnung im Transplantat. Neben Abstoßung und Blutgerinnung sind Viren die größte Gefahr für Menschen, die ein tierisches Organ tragen. Schweine tragen endogene Retroviren, diese könnten bei einer Übertragung von Organen Infektionen auslösen. Auch andere Ansteckungen durch bekannte und unbekannte Erreger können nicht ausgeschlossen werden. Diese Risiken zu minimieren, daran arbeiten Wolf und sein Team ebenfalls. Nicht nur die Gefahr von Infektionen hat die Durchführung von klinischen Studien lange verhindert. Auch die Geschichte der Xenotransplantation selbst hat dazu beigetragen. Im Jahre 1667 führte ein französischer Arzt eine Bluttransfusion von Lamm zu Mensch durch (siehe Kasten). Nachdem aber zwei weitere seiner Patienten starben, verbot man solche Versuche faktisch. Im 19. Jahrhundert wurde tierische Haut auf offene Wunden transplantiert, in den 1960er-Jahren Nieren und Herzen aus Schimpansen. Die meisten Patienten überlebten diese Operationen nicht – und wenn, dann nur wenige Wochen und Monate. Besonders viel Aufsehen erregte Mitte der 1980er-Jahre das Baby Fae, dem ein Pavianherz implantiert wurde. Das Kind starb 20 Tage nach dem Eingriff. Ein indischer Arzt wiederholte Ende der 1990er-Jahre den Versuch. Diesmal mit einem Schweineherz und einem erwachsenen Patienten. Auch dieser Eingriff misslang.

      Nicht nur Wolf hat einen Ruf, auch sein Forschungsbereich. Dieser Ruf ließ den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung der Bundesregierung im Jahr 2002 zu folgendem Urteil kommen: "Eine ethische Rechtfertigung der Xenotransplantation kann also nur über sorgfältig begründete und tragfähige Argumente gelingen. Diese müssen letztlich die Frage beantworten, ob menschliches Leid so hoch wiegt, dass Leiden und Tod von Tieren hingenommen werden kann. Zusammenfassend kann man aus der ethischen Diskussion den Eindruck gewinnen, dass bei der Frage, ob die Xenotransplantation zurzeit ethisch rechtfertigbar ist, Skepsis überwiegt." Erst seit es einem amerikanischen Forschungsteam gelang, die endogenen Retroviren mithilfe der Crispr/Cas-Methode aus dem Genom von Schweinen herauszuschneiden, ist die Xenotransplantation als Therapieform tatsächlich denkbar. Der Versuch glückte vor vier Jahren. Von diesem Aufwind profitiert auch das LMU-Team von Wolf. Dessen Projekt wird seit 2010 mit 12,8 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Neben der LMU sind die TU München, die Medizinische Hochschule Hannover, das Helmholtz Zentrum München, das Friedrich-Löffler-Institut, das Deutsche Primatenzentrum, das Paul-Ehrlich-Institut, das Robert Koch-Institut und die TU Dresden beteiligt. Letztere erforscht porcine Inselzellen: Aus dem Schwein sollen sie in menschliche Bauchspeicheldrüsen transplantiert werden und Diabetes heilen. Auch die Dresdner Wissenschaftler haben angekündigt, bald mit klinischen Studien beginnen zu wollen.

      In der Erforschung der Xenotransplantation zählt Deutschland zur Spitze. Weltweit arbeiten Institute und Pharmafirmen an ähnlichen Vorhaben. In China, den USA, Japan, Neuseeland. Der globale Transplantationsmarkt ist riesig und umkämpft. Die Organe sind knapp, die Alternativen ebenso – die Erwartungen aber grenzenlos. Eine US-Studie prognostiziert für 2019 einen Jahresumsatz von 29 Milliarden Dollar – und ein künftiges Wachstum von jährlich 10 Prozent. Die Xenotransplantation wird kommen, früher oder später. Selbst wenn sich die klinischen Studien der LMU noch um Jahre verzögern. Patienten, die bereit wären, sich ein Herz der Schweinespezies Deutsche Landrasse in die Brust einpflanzen zu lassen, die gebe es, sagt Wolf. Die ersten Anfragen seien schon eingegangen.