Dotasource Contest: Zusammen Alt-Ehrwürdige scHinken (ZAEH) lesen (auch für Veganer:innen)

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    • @Apocalypso
      Du darfst noch mal zurück zum Anfang:
      18 Teil 1 18 Book I Part I: 1822 XVIII




      @roterbaron
      Das Kennzeichen von Donald Ducks Auto, na hoffentlich bringts dir mehr Glück
      313 Teil 14 16 Book IV Part III: 1827 XVI




      @RedDevIL_15
      Zum Einstieg bekommst du Buch 1, vielen Dank fürs Mitmachen ;)
      54 Teil 3 5 Book I Part III: 1809 V
      The verdict is not the end
      It is only the beginning
      Strong will shall keep spreading
    • 313 Teil 14 16 Book IV Part III: 1827 XVI

      echt kurzes Kapitel (ca. 1,5seiten)

      geht darum, dass Rückzug scheisse ist und die Franzosen frieren sterben und hungern (November in der Nähe von Smolensk). Die Knüppeln sich gegenseitig tot wenn es was zu essen gibt und werfen ansonsten die Waffen weg. Bei der nächsten zusammenrottung der Armee soll selbige von Resten befreit werden (soldaten ohne Waffen, Kavalerie ohne Pferd etc...)
      Bisschen Formalscheisse aka tägliche Befehle die komplett nutzlos sind, weil nicht ausführbar und titelgehabe geht sich aber weiterhin aus. Sinnlosigkeit des krieges/sterbens at its best

      Ich nehm noch eins @Zagdil
    • 72 - Buch II, Erster Teil, Kapitel 4: Zeit für ein Duell

      Pierre aß und trank wie immer viel und mit großem Appetit. Doch alle, die ihn kannten, sahen eine große Veränderung in ihm. Er sagte während des ganzen Essens kein Wort, war ganz zerstreut und sah niedergeschlagen und finster aus. Er grübelte über eine Anspielung der bei ihm in Moskau wohnenden Prinzessin auf die nahen Beziehungen Dolochows zu seiner Frau und einen anonymen Brief, in dem ihm versichert wurde diese Beziehungen seien für niemandem ein Geheimnis außer für ihn selbst. Obwohl Pierre diese Anspielungen entschieden ablehnte, war es ihm doch ganz fürcherlich diesen hübschen frohen Dolochow jetzt anzusehen. Er erkannte, dass alles, was in dem Brief gesagt wurde zum mindesten wahr sein konnte. Er dachte daran, wie Dolochow, der nach dem Feldzug wieder in alle seine Rechte eingesetzt worden war, nach Petersburg zurückgekehrt und sich auf seine frühere Freundschaft zu Pierre berufend gleich zu ihm gekommen war. Pierre hatte ihn aufgenommen und ihm Geld geliehen, während Dolochow ihm zynisch die Reize seiner Frau angepriesen und sich bis zu ihrer Abreise nach Moskau nicht einen Augenblick von ihnen getrennt hatte. Pierre war sich sicher, dass es für Dolochow einen besonderen Reiz hätte seinen Namen zu schänden, gerade deshalb, weil er sich um ihn bemüht hatte. Er dachte an die Grausamkeiten die Dolochow manchmal beging und war überzeugt diesem war es angenehm, dass alle Leute sich vor ihm fürchteten. Tatsächlich fürchtete Pierre ihn ebenfalls und spürte bei diesen Gedanken etwas Entsetzliches, Scheußliches in seiner Seele aufsteigen.

      Dolochow, Denissow und Rostow saßen Pierre gegenüber, unterhielten sich lustig miteinander, schielten ab und zu spöttisch zu Pierre hinüber und machten scherzhafte Anspielungen an dessen hübsche Frau. Rostow stand Pierre wenig wohlwollend gegenüber, weil dieser seiner Ansicht nach nichts weiter als einen reicher, weibischer Zivilist war, weil er Rostow in seiner Zerstreutheit nicht sogleich erkannt hatte und obendrein nicht zu seinem Glase gegriffen hatte, als zum Wohl des Kaisers getrunken wurde. Als Pierre sich angetrieben durch die spöttischen Bemerkungen schließlich über Dolochow echauffierte und ihn lauthals forderte, willigte Rostow deshalb ein Dolochows Sekundant zu sein. Während Pierre im Anschluss schon nach Hause gefahren war, besprach Rostow mit Neswizkij, dem Sekundanten Besuchows, die Bedinungen zum Duell und fragte Dolochow zum Abschied noch, wieso er so ruhig blieb. Dieser erwiderte darauf, dass das Geheimnis eines Duells darin lag, gar nicht daran zu denken, dass man getötet werden könnte. "Natürlich muß man sich vor einem Bären fürchten, steht man ihm aber Aug in Auge gegenüber, ist die Furcht auch schon vorbei. Dann hat man nur noch die eine Angst, daß er entweichen könnte."

      Als sich die Gruppe am nächsten Morgen pünktlich im Sokolnikiwäldchen traf, machte Pierre den Eindruck mit Gedanken beschäftigt zu sein, die mit dem vorliegendem Fall nicht das mindeste zu tun zu haben. Zwei Gedanken beschäftigten ihn ausschließlich: die Schuld seiner Frau, über die ihm nach dieser schlaflosen Nacht nicht der geringste Zweifel mehr verblieben war und die Schuldlosigkeit Dolodiows Dolochows*, der doch keinerlei Grund gehabt hatte, die Ehre eines ihm fremden Menschen zu schonen. Vielleicht hätte ich an seiner Stelle auch nicht anders gehandelt, dachte Pierre. Warum also dieses Duell, dieser Mord? Man sollte von hier fortgehen, weglaufen, sich irgendwo verstecken, schoss es ihm durch den Sinn. Doch im selben Augenblick fragte er mit ruhiger, zerstreuter Miene "Geht es bald los? Sind Sie bereit?".

      Als alles fertig war, als die Säbel im Schnee steckten und die Grenze, bis zu der vorgegangen werden sollte markierten und als die Pistolen geladen waren, trat Neswizkij noch einmal auf Pierre zu und versuchte ihm das ganze auszureden. Er befände sich im Unrecht, war erregt und es läge auf keiner Seite eine Beleidigung vor. Es wäre edler sich einen Fehler einzugestehen, als eine Sache so weit zu treiben, dass sie nicht wiedergutzumachen ist. Er bat darum noch einmal verhandeln zu dürfen und eine Entschuldigung anzubieten. Pierre aber verneinte dieses Angebot und erkundigte sich nur noch einmal, wohin er gehen und wohin er schießen müsse. Er nahm die Pistole in die Hand und fragte, wo man sie abdrücken müsse, da er bis auf den heutigen Tag noch nie eine Pistole in der Hand gehabt hatte, was er sich aber nicht merken lassen wollte. Dolochow lehnte ebenfalls einen von Denissow vorgetragenen Versöhnungsversuch ab und trat auf seinen Platz.

      Man hatte für das Duell eine kleine Lichtung im Fichtenwald ausgewählt. Die Gegner standen an den Rändern der Lichtung. Von dort, wo sie standen, bis an die Stelle, wo Neswizkijs und Denissows Säbel in den Schnee gesteckt waren, hatten die Sekundanten durch das Abmessen der Schritte in dem tiefen, weichen Schnee einen kleinen Weg gebahnt. Es taute immer noch und war neblig, so daß man auf vierzig Schritte nichts sehen konnte. Nach drei Minuten war alles fertig, aber man zögerte immer noch anzufangen. Alle schwiegen.


      *: An dieser Stelle ist in der PDF ausdrücklich von einem Dolodiow die Rede. Da sich dieser Name aber mittels Suchfunktion nirgends sonst im Buch finden lässt gehe ich davon aus, dass es sich um einen Druckfehler handelt und Dolochow gemeint ist.

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    • 179 - Buch III, Erster Teil, Kapitel 13: Eine reizende Doktorenfrau

      In der Schenke befanden sich schon etwa fünf Offiziere. Marja Genrichowna, eine volle blonde Deutsche, saß in Jacke und Nachthaube auf einer breiten Bank, hinter ihr lag schlafend ihr Mann, ein Arzt. Rostow und Iljin traten vom Regen durchnässt ins Zimmer und wurden von Zurufen und Gelächter empfangen. Sie suchten sich eilig eine Ecke in der sie mithilfe Lawrentins ihre Kleider wechseln konnten, ohne Marja Genrichownas Schamgefühl zu verletzen. Es wurde ein Feuer gemacht, mit einem Brett und einer Pferdedecke eine Sitzecke improvisiert und ein Samowar aufgesetzt. Marja Genrichowna wurde gebeten die Wirtin zu spielen, und alle drängten sich um sie. Einer bot ihr ein frisches Taschentuch an, damit sie ihre reizenden Händchen darin trocknen konnte, ein anderer breitete ihr seinen Dolman unter den Füßchen aus um sie vor der Feuchtigkeit zu schützen, ein dritter hängte seinen Mantel über das Fenster, damit es nicht ziehe und wieder ein anderer verscheuchte die Fliegen vom Gesicht ihres Mannes, damit er nicht aufwache.

      Man hatte nur drei Gläser, das Wasser war so schmutzig, dass sich nicht erkennen ließ, ob der Tee stark oder schwach war. Der Samowar fasste überdies nur Wasser für sechs Gläser, aber um so angenehmer war es der Gesellschaft reihum dem Rang nach sein Glas aus Marja Genrichownas molligen Händchen entgegenzunehmen. Löffel gab es nur einen einzigen und keiner ließ dem anderen genügend Zeit seinen Tee umzurühren, weshalb beschlossen wurde, dass Marja Genrichowna der Reihe nach jedem den Zucker umrühren sollte. Als Rostow einen Schuss Rum in sein Glas gab und sie bat für ihn umzurühren, schlug er ihr vor dafür einfach ihre Finger zu benutzen, da der Löffel schon wieder stibitzt wurde. Als sie vor Vergnügen ganz errötet erwiderte, dass der Tee dafür viel zu heiß sei, nahm Iljin einen Eimer mit Wasser, goß etwas Rum hinein und bat Marja Genrichowna ihm dies mit ihrem Fingerchen umzurühren. "Das ist meine Tasse", sagte er. "Stecken Sie nur ihr Fingerchen hinein, dann trinke ich alles, alles aus."

      Als sie den Samowar ausgetrunken hatten, holte Rostow die Karten hervor und schlug vor, dass der Gewinner als Belohnung Marja Genrichownas Hand küssen dürfe. Doch kaum hatte ihr Spiel begonnen, da erhob sich der zerzauste Kopf des Ehemanns. Er hatte schon lange nicht mehr geschlafen, die Unterhaltung mitangehört und fand offenbar all das, was gesagt und getan wurde, durchaus nicht so komisch und ergötzlich. Er sagte seiner Frau, jetzt da der Regen aufgehört habe, müsse man draußen im Reisewagen schlafen, da sonst alles weggestohlen werde. Als Rostow eine Wache aufstellen wollte, damit er und seine Frau in der Schenke bleiben könnten, schlug der Doktor dieses Angebot aus. Er habe seit zwei Nächten kein Auge zugetan und wolle jetzt in Ruhe ausschlafen. Als der grießgrämige Ehemann mit seiner Frau hinausgegangen war, legten sich die Offiziere hin und deckten sich mit ihren nassen Mänteln zu. Aber sie konnten lange nicht einschlafen: bald schwatzten sie miteinander, bald liefen sie vor die Tür, um zu erkunden was im Reisewagen vor sich ging und immerwieder brachen alle wie die Kinder ohne jeden Grund in Gelächter aus.
    • 153 Teil 8 9 Book II Part V: 1811–20 IX

      Endlich wieder ein wemmen kapitel:

      Natascha ist im Theater und feelt den vibe nicht. Ist auch komplett unfähig zu verstehen wie andere den vibe aufnehmen und einfach enjoyen. Dann kommt Anatoli Kuragin besser bekannt als Gigolo und verdreht Natascha mit seiner puren Anwesenheit den Kopf. Müsste das erste Aufeinandertreffen sein. Standesgemäß hat der natürlich seine Loge im Theater mit Fürst Andrej und Rostow da wird entsprechend ordentlich geklüngelt. Rest ist so sinnloses plemplem ohne wirklichen Inhalt.


      Aktuelles: Bitte die täglichen Heldengeschichten des Krieges (Geist von Kiew, Snake Island boys, etc.) auch im Rahmen des Buches sehen, ist da ja schön beschrieben wie sich das vielleicht anfühlen könnte. Vermutlich ist das jedem klar aber ich wollte es nochmal ins rechte Licht rücken. Krieg ist völlig sinnlose Gewalt mit Trauer Schmerz und wirklich kompletter sinnlosigkeit bei der die Soldaten meistens keine Ahnung haben wofür und warum sie überhaupt Kämpfen. Hinterher wird sich dann wieder auf die Schulter geklopft von den Typen die nicht geschossen haben um sich zu den eigenen Kriegsverbrechen zu gratulieren. Meanwhile gibts paar Heldengeschichten um von der abgrundtiefen Zerstörung und Sinnlosigkeit abzulenken.
    • Damit hier nochmal Zug in die Bude kommt verkünde ich jetzt einfach mal, dass ich eine Lesung der Dotasource-Version von Krieg und Frieden vornehmen werden und zwar auf Dotalan auf Wiese :P

      Wenn ihr mich also mit mehr Material quälen wollt -> AB ZU DEN KAPITELN!

      Bisher sind es nämlich "nur" 58/364 aka 15% oder ~2-3h Lesung :D

      Falls noch jemand als Ko-Lektor einsteigen will gerne melden. Können das ganze auch gerne auf Krieg & Friedenskapitel aufteilen, wie Ying & Yang.
      Hier sollte irgendwas mit Bierpong stehen :grinking:
    • 106 Teil 6 1 Book II Part III: 1808–10 I blutgarten

      64 Teil 3 15 Book I Part III: 1819 XV blutgarten

      296 Teil 13 18 Book IV Part II: 1829 XVIII blutgarten
      The verdict is not the end
      It is only the beginning
      Strong will shall keep spreading
    • 106 - Buch II, Dritter Teil, Kapitel 1: Zwei alte Seelen

      Im Jahre 1808 war Kaiser Alexander nach Erfurt gefahren um mit Kaiser Napoleon zusammenzutreffen und in der höchsten Petersburger Gesellschaft sprach man viel davon, wie großartig diese Zusammenkunft gewesen war. Als Napoleon im Jahre darauf Österreich den Krieg erklärte, war das Bündnis zwischen den beiden Weltherrschern, wie man Napoleon und Alexander nannte, inzwischen so groß geworden, dass ein russisches Armeekorps bis an die Grenze rückte, um den früheren Feind Bonaparte gegen den ehemaligen Verbündeten, den Kaiser von Österreich, zu Hilfe zu kommen. In den höchsten Kreisen sprach man sogar von einer Hochzeit Napoleons und einer Schwester Kaiser Alexanders. Neben all diesen Wendungen in der äußeren Politik waren es aber besonders innere Umwälzungen in allen Teilen der Staatsverwaltung, die zu dieser Zeit die Aufmerksamkeit der russischen Gesellschaft auf sich zogen.

      Indessen ging das wirkliche Leben der Menschen wie immer seinen gewöhnlichen Gang. Fürst Andrej hatte zwei Jahre lang auf dem Lande gelebt, ohne aus seinen vier Pfählen herauszukommen. Die eine Hälfte seiner Zeit verbrachte er in Lysyja-Gory bei Vater und Sohn, die andere Hälfte in Bogutscharowo, seinem Landsitz. Alle jene Verbesserungen, die Pierre im Sinne gehabt aber nicht zur Ausführung gebracht hatte, hatte nun Fürst Andrej ohne sonderliche Mühe eingeführt. Er hatte auf einem seiner Güter die Leibeigenen zu freien Bauern gemacht, auf einem anderen die Fronarbeit in Pachtzins umgewandelt. In Bogutscharawo hatte er eine ausgebildete Hebamme angestellt und der Geistliche unterrichtete die Kinder der Bauern und des Hofgesindes. Obgleich er sich gegenüber Pierre gegenüber allen äußeren Ergeignissen gleichgültig gezeigt hatte, verfolgte Andrej doch alles mit großem Eifer, ließ sich viele Bücher kommen und bemerkte oft, dass seine Gäste aus Petersburg über alles, was in der inneren und äußeren Politik vorgegangen war, weit weniger orientiert waren als er. Zusätzlich befasste er sich mit einer kritischen Untersuchung der beiden letzten unglücklichen Feldzüge und einem Entwurf zur Abänderung der militärischen Reglements und Verordnungen.

      Im Frühjahr 1809 besuchte Fürst Andrej als Vormund seines Sohnes dessen Güter in Rjasan. Auf dem weg dahin musste er mit derselben Fähre übersetzen, auf der er im vorigen Jahr mit Pierre jenes Gespräch geführt hatte. Danach ging es durch ein schmutziges Dorf und an den grün werdenden Feldern vorbei. Auf der Reise macht der Diener Pjotr ihn auf den Frühlingsbeginn aufmerksam und wirklich, es war schon alles grün, wie schnell das gegangen ist! Am Rande des Weges stand eine Eiche, sie mochte zehnmal so alt sein wie alle die Birken, die den Wald bildeten. Es war ein riesiger Baum, der mit seinen riesigen, plumpen, unsymmetrisch verzweigten, knorrigen Armen und Fingern wie ein altes, grimmiges Ungeheuer mitten unter den jungen Birken stand und geringschätzig auf sie herab sah. Frühling, Liebe und Glück! schien die Eiche zu sagen. Wird euch das nicht langweilig, an diesen immer wiederkehrenden, sinnlosen Betrug zu glauben? Es gibt keinen Frühling, keine Sonne und kein Glück. Ich stehe hier mit meinen gebrochenen, geknickten Zweigen, so wie ich gewachsen bin, und glaube nicht an euren Betrug.

      Ja, sie hat recht, diese Eiche, dachte der Fürst. Mögen sich andere, jüngere, immer wieder diesem Betrug hingeben, wir aber kennen das Leben, unsere Zeit ist vorbei. Während dieser Reise ließ er sein ganzes Leben noch einmal an seiner Seele vorüberziehen und kam zu demselben beruhigenden, aber hoffnungslosen Schluß wie früher, dass er nichts neues mehr anfangen dürfte, sondern nur sein Leben zu Ende leben müsse, ohne etwas Böses zu tun, ohne Aufregung und ohne Wünsche.
    • 296 - Buch IV, Zweiter Teil, Kapitel 18: Keime der Zersetzung

      Von der Zeit an, da Kutusow diese Nachricht erhalten hatte, beschränkt sich seine Tätigkeit bis zum Ende des Feldzuges darauf, durch Macht, List und Bitte seine Truppen von unnötigen Zusammenstößen mit einem Feind zurückzuhalten, der von selber in sein Verderben rannte. Dochturow geht nach Malo-Jaroslawez, aber Kutusow zögert noch und gibt den Befehl Kaluga zu räumen, weil ihm der Rückzug hinter diese Stadt gut ausführbar scheint. Kutusow geht überall zurück, doch der Feind wartet sein Zurückgehen nicht ab, sondern flieht in entgegengesetzter Richtung.

      Die Geschichtsschreiber Napoleons schildern uns dessen kunstvolles Manöver bei Tarutino und Malo-Jaroslawez und werfen die Frage auf, was geworden wäre, wenn es Napoleon gelungen wäre, in die reichen südlichen Provinzen einzudringen. Aber ganz abgesehen davon, dass nichts Napoleon gehindert hat, vergessen diese Geschichtsschreiber ganz, dass Napoleons Heer durch nichts mehr zu retten war, weil es schon damals die sicheren Bedingungen des Verderbens in sich trug. Diese Armee konnte nirgends besser werden. Seit der Schlacht bei Borodino und der Plünderung Moskaus trug sie die Keime der Zersetzung in sich. Die Mannschaften dieser einstmaligen Armee flohen mit ihren Führern, nur in dem einen Wunsch die eigene Person sobald wie möglich aus dieser trostlosen Lage zu retten. Deshalb siegte auf dem Kriegsrat zu Malo-Jaroslawez, die zuletzt vorgebrachte Ansicht der schlichten Soldatennatur Moutons, der aussprach, dass man so schnell wie möglich abmarschieren müsse. Dass sich Napoleon mit Mouton einverstanden erklärte beweißt nicht, dass es auf seinen Befehl hin geschehen sei, sondern nur, dass dieselben Kräfte, die auf die ganze Armee einwirkten, gleichzeitig ihre Wirkung auch auf Napoleon erstreckten.

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    • 64 - Buch I, Dritter Teil, Kapitel 15: Angriff bei Pratzen

      Um acht Uhr begab sich Kutusow an der Spitze von Miloradowitschs vierter Kolonne zu Pferd nach Pratzen. Er begrüßte die Mannschaften des Vorderregimentes, erteilte den Befehl, zu marschieren, und zeigte damit, daß er diese Kolonne selber zu führen beabsichtigte. Fürst Andrej, der zu der gewaltigen Schar gehörte, die das Gefolge des Oberkommandierenden bildete, hielt dicht hinter ihm. Er fühlte sich erregt und nervös, gleichzeitig aber auch gelassen und ruhig, wie einem Menschen gewöhnlich zumute ist, wenn ein langersehnter Augenblick endlich herannaht. Links unten, im Nebel, hörte man das Schießen der unsichtbaren Truppen. Da wird man mich hinschicken, dachte er, mit einer Brigade oder einer Division, und dort werde ich mit der Fahne in der Hand allen voranstürmen und alles kurz und klein schlagen, was sich mir in den Weg stellt.

      Der Oberkommandierende hatte am Ausgang des Dorfes haltgemacht und ließ die Truppen an sich vorüberziehen. Kutusow schien an diesem Morgen abgespannt und gereizt zu sein. Ein österreichischer Offizier sprengte auf Kutusow zu und fragte im Namen des Kaisers, ob die vierte Kolonne schon in den Kampf gezogen sei. Kutusow gab keine Antwort, wandte sich an Bolkonskij und sagte zu ihm: "Sehen Sie zu, mein Lieber, ob die dritte Division schon durch das Dorf marschiert ist, und sagen Sie ihr, sie solle haltmachen und meine Befehle abwarten." Fürst Andrej wollte gerade abreiten, als er ihn noch einmal zurückhielt: "Und fragen Sie, ob die Schützen aufgestellt sind", fügte er hinzu. "Was die nur machen, was die nur machen!" murmelte er dann vor sich hin, noch immer ohne dem österreicher eine Antwort gegeben zu haben.

      Fürst Andrej sprengte hinweg, um seinen Auftrag auszuführen. Der Kommandeur des vordersten Regiments war höchst verwundert, als ihm der Befehl überbracht wurde. Er war der festen Überzeugung gewesen, daß vor ihm noch andere von unseren Truppen marschierten, und daß der Feind noch gegen zehn Werst entfernt sein müsse. Und tatsächlich war vorn nichts weiter zu sehen als ein ödes Gelände, das stark abfiel und von dichtem Nebel bedeckt war. Nachdem Fürst Andrej im Namen des Oberkommandierenden den Befehl erteilt hatte, sprengte er eilig wieder zurück. Kutusow befand sich noch an derselben Stelle, sein vierschrötiger Körper war greisenhaft im Sattel zusammengesunken; er gähnte schwer und machte die Augen zu. Die Truppen waren nicht mehr in Bewegung, sie standen Gewehr bei Fuß.

      In diesem Augenblick hörte man die Regimenter hinter Kutusow in der Ferne Hurra schreien. Auf dem Weg von Pratzen kam eine buntfarbige Kavalkade daher, als wäre es eine ganze Schwadron. Allen voran sprengten in scharfem Galopp die beiden Kaiser. Kutusow kommandierte dem neben ihm stehenden Regiment: "Stillgestanden!" und ritt salutierend auf den Kaiser zu. Er nahm die Miene eines Untergebenen an, der sich jedes Urteils enthält. Mit erkünstelter Ehrerbietung, die Kaiser Alexander offenbar unangenehm berührte, ritt er auf ihn zu und salutierte.

      "Warum fangen Sie denn nicht an, Michail Ilarionowitsch?" wandte sich Kaiser Alexander eilig an Kutusow, warf aber gleichzeitig einen höflichen Seitenblick auf Kaiser Franz. "Ich warte noch, Majestät", erwiderte Kutusow in ehrerbietig vornübergeneigter Haltung. Fürst Andrej bemerkte, daß Kutusows Oberlippe unnatürlich zitterte, während er dieses "Ich warte noch" aussprach. "Es sind noch nicht alle Kolonnen zusammengezogen, Majestät." Diese Antwort schien dem Kaiser sichtlich nicht zu gefallen. "Wir sind doch hier nicht auf der Zarizynwiese, Michail Ilarionowitsch, wo die Parade nicht eher anfangen darf, als bis alle Regimenter aufmarschiert sind." "Eben deshalb fange ich nicht an, Majestät, weil wir hier nicht zur Parade auf der Zarizynwiese sind."

      Im Gefolge des Kaisers sah einer den anderen an, und auf allen Gesichtern war Mißbilligung und Tadel zu lesen. Wenn er auch ein alter Mann ist, so darf er doch unter keinen Umständen so mit dem Kaiser reden, drückten alle Mienen aus. Der Kaiser sah Kutusow starr und gespannt ins Auge und wartete, ob er noch etwas sagen würde. Aber der Oberkommandierende senkte nur ehrerbietig den Kopf und schien ebenfalls zu warten. Das Schweigen dauerte etwa eine Minute lang. "Übrigens, wenn Majestät befehlen", sagte dann Kutusow, hob den Kopf und verfiel wieder in den Ton eines abgestumpften, sich unterordnenden Generals, der sich kein eignes Urteil erlauben darf. Er wandte sein Pferd um, rief den Gruppenkommandeur Miloradowitsch heran und erteilte ihm den Befehl zum Angriff.

      Wieder setzten sich die Truppen in Bewegung. Während das Apscheroner Regiment vorbeizog, sprengte Miloradowitsch in vollem Galopp vor, salutierte schneidig und brachte sein Pferd vor dem Kaiser zum Stehen. "Mit Gott, General!" sagte der Kaiser zu ihm. Durch die Gegenwart des Zaren aufgemuntert, marschierten die Apscheroner mit festen, kräftigen Schritten an den beiden Kaisern und ihrem Gefolge vorbei. "Kinder!" rief Miloradowitsch mit lauter, munterer und selbstbewußter Stimme. Er war sichtlich durch das Geknatter der Schüsse, durch die Nähe des Kampfes und durch den Anblick der tapferen Apscheroner so in Begeisterung geraten, daß er sogar die Anwesenheit des Zaren vergaß. "Kinder, das ist doch nicht das erste Dorf, das ihr stürmt!" schrie er ihnen zu. "Hurra! Hurra! Hurra!" riefen die Soldaten zurück.

      Das Pferd des Zaren scheute bei dem plötzlichen Geschrei. Dieses Pferd, das den Kaiser schon bei seinen Besichtigungen in Rußland getragen hatte, trug ihn auch heute auf dem Schlachtfeld bei Austerlitz. Ruhig duldete es, wenn sein Reiter es mit dem linken Fuß zerstreut in die Seite stieß, und spitzte bei dem Geknatter der Schüsse die Ohren, ganz so, wie es dies schon auf der Zarizynwiese getan hatte, ohne zu wissen, was diese Schüsse zu bedeuten hatten, und warum der schwarze Hengst von Kaiser Franz neben ihm stand, und ohne zu verstehen, was der, welcher auf ihm ritt, an diesem Tag fühlte, dachte und sprach.

      Lächelnd wandte sich der Kaiser an einen, der neben ihm stand, zeigte auf die strammen Apscheroner und sagte irgend etwas zu ihm.

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      Quo Vadis, Tolstoisource?

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