Der "war ein interessanter Artikel" Thread

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    • devilchen schrieb:

      achtung triggerwarnung für kommunisten und welche die es werden wollen:

      faz.net/aktuell/wirtschaft/der…g-ein-essay-15723126.html

      Tldr: marktliberalisierung ist gut und schafft wohlstand

      8o
      der Artikel macht es sich stellenweise aber auch sehr bequem. einfach mal etwas Rätselraten, Hauptsache Regulierung fronten:
      Ob das wirklich alles stimmt – womöglich war es nicht die Deregulierung, sondern eine falsche Regulierung –, spielt für das Gefühl der Gesellschaft keine Rolle.

      Sonst finde ich es noch schade, dass der Autor sich nicht zumindest kompromissbereit zeigt und in der Theorie den Gedanken zulässt, dass liberal "entfesselter" Kapitalismus auch böse enden kann. Hier hätte mir z. B. ein "... aber Kartellämter sind nicht komplett blöd" als "ich bin nicht total biased"-token gefallen.

      Ansonsten aber ein cooler Read, gerade für so 90er Kids wie mich, die die Welt vor dieser Liberalisierungswelle ja gar not kennen, in der Schule wird sowas ja auch nicht beleuchtet und meine randominformationsaufnahme hat das bisher auch nicht ausgewählt.
      and combined with this image of what we should be doing there comes the inability to read or appreciate anybody who does something entirely different.
      MATLOK siGNAtuRtriGGer
    • Natürlich gab kein Lobbyist zu, dass er um seine schönen Monopolrenditen fürchtete. Allemal ist es im rhetorischen Kampf besser, seine egoistischen Ziele als Interessen im Dienste der Allgemeinheit und Daseinsvorsorge zu camouflieren.
      Das ist natürlich ein spannender Absatz. Hier wird mit der Gefahr von Monopolen im Zusammenhang mit Meisterbrief/Ausbildung versus Unternehmensgründung ohne Meisterbrief gewarnt. Wenn ich auch die Abschaffung von damals gut fand, fehlt an der Stelle die Warnung vor neuen Monopolisten. Weniger Regulierung führt hier zu Leuten wie Bezos, dem reichsten Mensch der je gelebt hat und dessen Arbeiter beim Staat aufstocken und dessen Unternehmen (nahezu) keine Steuern zahlt.
      Längst wurden einige Hartz-Reformen rückabgewickelt, Freihandel gilt als Kulturverfall (hierzulande nicht viel anders als bei Trump) und die private Altersvorsorge ist kapitalistisches Teufelszeug.
      Die private Altersvorsorge ist nicht kapitalistisches Teufelszeug, sondern ein riesiger Mittelfinger an Angestellte. Die Botschaft war und ist klar: ein Wirtschaftsmodell, in dem Leute am Ende mit ihrer Rente nicht auskommt, ist nicht nur zu tolerieren, sondern ausdrücklich erlaubt. Die Hartz-Reformen werden rückabgewickelt, weil der größte Niedriglohnsektor Europas Millionen in Prekariat und Altersarmut treibt. Nicht Freihandel treibt Hunderttausende (TTIP-Demos) auf die Straße, sondern die Selbstaufgabe von Rechten durch die Regulierer (i.e. Regierung -> Vertretung der Wählerschaft) an Schiedsgerichte.
      Er findet wieder Arbeit und kann sich Sneakers kaufen, die in China produziert werden. Das verschärft die Frage, warum das Pendel zurück schlägt. Einiges geht an die Hartz-Reformen: Obwohl sie viel dazu beigetragen haben, dass Deutschland heute (fast) Vollbeschäftigung hat, gelten sie im Stimmungstest als Ursache von Verelendung durch Billigjobs und prekäre Beschäftigung.
      Spannend dass China und nicht Vietnam oder Bangladesh nimmt, wo ein ebenso großer Teil der Kleidung herkommt und die Arbeitsbedingungen noch schlimmer sind. Was er als Errungenschaft sieht, würde ich eher als eine der schlimmsten Facetten des (liberalen) Kapitalismus ansehen - weltweite Ausbeutung auf unsere Kosten bis hin zur modernen Sklaverei (das Thema Umwelt mal ausgeklammert).
      Fast Vollbeschäftigung, lol. Vom oben bereits angesprochenen Niedriglohnsektor mal abgesehen, haben wir fast eine Million die rausgerechnet werden - Krankheit, berufliche Weiterbildung, Programm soziale Teilhabe, geförderte/fremd geförderte Arbeitsverhältnisse, Ein-Euro-Jobs, Leute über 58 die ALG beziehen und Leute in endlosen Sinnlosmaßnahmen vom Amt. Nachzuschauen zum Beispiel hier.

      Triggerwarnung geht so. Einer der vom Kapitalismus profitiert, findet ihn gut. Interessiert mich tbh weniger als der Stundenlohn, den meine Mutter in der mobilen Pflege kriegt oder dass in Berlin in manchen Kiezen in 5 Jahren die Mieten um 200% steigen und deswegen Leute ohne Kohle aus ihren Wohnungen müssen.
      we do not sow
    • wolliver twist schrieb:

      Natürlich gab kein Lobbyist zu, dass er um seine schönen Monopolrenditen fürchtete. Allemal ist es im rhetorischen Kampf besser, seine egoistischen Ziele als Interessen im Dienste der Allgemeinheit und Daseinsvorsorge zu camouflieren.
      Das ist natürlich ein spannender Absatz. Hier wird mit der Gefahr von Monopolen im Zusammenhang mit Meisterbrief/Ausbildung versus Unternehmensgründung ohne Meisterbrief gewarnt. Wenn ich auch die Abschaffung von damals gut fand, fehlt an der Stelle die Warnung vor neuen Monopolisten. Weniger Regulierung führt hier zu Leuten wie Bezos, dem reichsten Mensch der je gelebt hat und dessen Arbeiter beim Staat aufstocken und dessen Unternehmen (nahezu) keine Steuern zahlt.
      Längst wurden einige Hartz-Reformen rückabgewickelt, Freihandel gilt als Kulturverfall (hierzulande nicht viel anders als bei Trump) und die private Altersvorsorge ist kapitalistisches Teufelszeug.
      Die private Altersvorsorge ist nicht kapitalistisches Teufelszeug, sondern ein riesiger Mittelfinger an Angestellte. Die Botschaft war und ist klar: ein Wirtschaftsmodell, in dem Leute am Ende mit ihrer Rente nicht auskommt, ist nicht nur zu tolerieren, sondern ausdrücklich erlaubt. Die Hartz-Reformen werden rückabgewickelt, weil der größte Niedriglohnsektor Europas Millionen in Prekariat und Altersarmut treibt. Nicht Freihandel treibt Hunderttausende (TTIP-Demos) auf die Straße, sondern die Selbstaufgabe von Rechten durch die Regulierer (i.e. Regierung -> Vertretung der Wählerschaft) an Schiedsgerichte.
      Er findet wieder Arbeit und kann sich Sneakers kaufen, die in China produziert werden. Das verschärft die Frage, warum das Pendel zurück schlägt. Einiges geht an die Hartz-Reformen: Obwohl sie viel dazu beigetragen haben, dass Deutschland heute (fast) Vollbeschäftigung hat, gelten sie im Stimmungstest als Ursache von Verelendung durch Billigjobs und prekäre Beschäftigung.
      Spannend dass China und nicht Vietnam oder Bangladesh nimmt, wo ein ebenso großer Teil der Kleidung herkommt und die Arbeitsbedingungen noch schlimmer sind. Was er als Errungenschaft sieht, würde ich eher als eine der schlimmsten Facetten des (liberalen) Kapitalismus ansehen - weltweite Ausbeutung auf unsere Kosten bis hin zur modernen Sklaverei (das Thema Umwelt mal ausgeklammert).Fast Vollbeschäftigung, lol. Vom oben bereits angesprochenen Niedriglohnsektor mal abgesehen, haben wir fast eine Million die rausgerechnet werden - Krankheit, berufliche Weiterbildung, Programm soziale Teilhabe, geförderte/fremd geförderte Arbeitsverhältnisse, Ein-Euro-Jobs, Leute über 58 die ALG beziehen und Leute in endlosen Sinnlosmaßnahmen vom Amt. Nachzuschauen zum Beispiel hier.

      Triggerwarnung geht so. Einer der vom Kapitalismus profitiert, findet ihn gut. Interessiert mich tbh weniger als der Stundenlohn, den meine Mutter in der mobilen Pflege kriegt oder dass in Berlin in manchen Kiezen in 5 Jahren die Mieten um 200% steigen und deswegen Leute ohne Kohle aus ihren Wohnungen müssen.

      Würde gerne ein paar Dinge anmerken.
      Monopol bedeutet, dass es für ein bestimmtes Gut nur einen Anbieter gibt. Amazon ist aber nicht der einzige Anbieter, sondern lediglich der marktdominante. Das funktioniert auch nur deshalb, weil es eben einen extrem gutes Angebot bietet, was Auswahl und Liefergeschwindigkeit angeht. Amazon konkurriert mit unzähligen Einzelhändlern bei allen möglichen Produkten und genauso mit anderen Versandhändlern, die beispielsweise Tshirts, Hands, Laptops etc. verschicken.
      Das ist ein extrem wichtiger Unterschied, weil es dazu führt, dass Amazon nur dann eine beherrschende Stellung einnehmen kann, wenn ihr service besser als die Konkurrenz ist. Wenn es allerdings nur eine staatliche Fluglinie gibt und man nur die Wahl hat zwischen diese benutzen oder es eben ganz sein lassen, dann kann die Fluglinie auch komplett überteuert sein und nen miesen Service haben, aber es gibt dann keine Alternativen.



      Private Altersvorsorge: Das Problem ist hier keinesfalls das Wirtschaftssystem (als ob Altersvorsorge in irgendwelchen nicht kapitalistischen Ländern auch nur irgendwie besser funktionieren würde), sondern demographischer Wandel und längerer Lebenserwartung. Da wurden dann aus politischem Kalkül jahrzehntelang die Beiträge nicht ausreichend erhöht und so schafft man irgendwann ein System, was gegen die Wand fahren wird. Finde auch die Vorstellung ziemlich gruselig, sich bei der Altersvorsorge alleine darauf zu verlassen, dass der Staat einem in 40-50 Jahren dann bis ans Lebensende durchfüttert. Das ist eine sehr lange Zeit und niemand kann garantieren, dass bis dahin nicht Wirtschaftskrisen/Inflation/Krieg/Schulden/Naturkatastrophen oder im schlimmsten Fall der Zusammenbruch der staatlichen Ordnung als solches das System Rente zu Fall bringen oder massiv wegkürzen. Hab gerade privat mit einer Erasmusstudentin aus der Ukraine zu tun, die von ihrem Nebenjob ein bisschen Geld an ihre Großmutter schickt, weil die so umgerechnet etwa 70 Euro an Rente im Monat bekommt. Finde es reichlich riskant hier nicht mindestens zu diversifizieren.


      Ich verstehe dieses Argument der "Ausbeutung" nicht. China hat innerhalb von 3 Jahrzehnten dank "liberalen Kapitalismus" mehr Menschen aus der extremen Armut geholt, als Gesamteuropa Einwohner hat, während gerade Staaten, die deutlich weniger kapitalistisch und freihandelstechnisch geprägt sind (Afrika) nicht von sich behaupten können.


      Und um auf deine anderen Beispiele einzugehen. In Bangladesch und Vietnam passiert gerade genau das gleiche. Kapitalismus ist einfach das beste was diesen Ländern passieren kann.

      worldbank.org/en/news/press-re…by-16-million-in-a-decade

      worldbank.org/en/news/press-re…ding-to-world-bank-report


      Vietnam: "From one of the poorest countries in the World with per capita income below US $100 per year, Vietnam is now a middle income country with per capita income of US $1,910 by the end of 2013.[1] Thereby, the poverty rate decreases gradually from 58 percent in 1993 to 28.9 percent in 2002, 14.5 percent in 2008 and 12 percent in 2011. About 28 million people are estimated to have been lifted out of poverty over approximately two decades."


      Bangladesch: "Poverty in Bangladesh have declined remarkably since the early-2000s, as result decades of accelerated economic growth. The remarkable progress in poverty alleviation has been recognized by international institutions.[1] According to the World Bank, Bangladesh's poverty rate fell from 82% in 1972, to 18.5% in 2010, to 13.8% in 2016, as measured by the percentage of people living below the international extreme poverty line.[2] Based on the current rate of poverty reduction, Bangladesh is projected to eliminate extreme poverty by 2024, as well becoming the only upper-middle income economy in South Asian region, according to the World Bank."
    • das Wort Monopol ist im strikten Sinn natürlich falsch, aber Amazon nutzt seine Marktmacht (die sie auch durch überlegenen Service erhalten) um sich einen noch größeren Vorteil zu verschaffen. Das ist dann kein fairer Wettbewerb mehr, sondern eine Sache für das Kartellamt. Dass sie durch Steuerausweichung etc auch einen Vorteil erhalten, die Firmen, die nicht "steueroptimiert" sind (auch weil große Firmen sich eher den Overhead an Steuerberatern und Anwälten erlauben können), nicht haben, ist dann auch ein Versagen der Gesetzgebung. Es versagen also die Märkte, weil Amazon nicht genug reguliert wird, um einen gesunden Wettbewerb zu erlauben. Oder siehst du das anders @Alex-?